Mittwoch, 13. Juli 2011

Europe Cup Youth 2011

Europe Cup Youth 2011


Vorgeschichte!

Der diesjährige Europe Cup für Jugendliche fand in Aberdeen/Schottland statt. Schon sehr früh war klar, dass der ÖDV ein Team zu diesem Event entsenden will. In meiner Funktion als Jugendbetreuer des ÖDV versuchte ich intensiv auf dieses Ziel hinzuarbeiten. Viele Jugendspieler wurden beobachtet und zu Kadertrainings und Teilnahmen an internationalen Events motiviert.
Schon beim Winmau World Masters 2010 in Kingston Upon Hull waren zwei unserer Jugendspieler dabei. Unsere Nummer 1, Rowby-John Rodriguez erreichte dort den dritten Platz und verlor im Halbfinale nur denkbar knapp gegen den späteren, bereits 18-jährigen, Sieger Reece Robinson.  Auch beim Czech Open in Prag im November 2010 waren wir mit einigen Jugendspielern vertreten und Rowby konnte da den zweiten Platz erringen und verlor das Finale erst nach vielen vergebenen Matchdarts. Weitere Talentproben gab’s für mich in Linz, beim Arthur-Cup in Wien und in Sankt Pölten zu beobachten.
Beim Topbesetzten Ranglistenturnier in Sankt Pölten gab es im Herreneinzelbewerb ein unglaubliches Ergebnis für unsere Nachwuchsspieler. Rowby-John Rodriguez zog ins Finale ein und wurde Zweiter, Manuel Rechberger unterlag eben Rowby erst im Halbfinale und wurde Dritter, Michael Tegl verlor erst im Viertelfinale dem späteren Turniersieger Kallinger und wurde Fünfter. Gemeinsam mit dem springcuperprobten Sieger des Jugendbewerbes beim Donaupokal, Bernhard Tschinkowitz, hatte ich mein Team gefunden.
Leider war es nicht möglich 2 Mädchen für das Event in Schottland zu begeistern die bereits die spielerische Reife für einen derartigen Bewerb besitzen. Es gibt aber einige hoffnungsvolle Talente in der weiblichen Jugend welche in kurzer Zeit so weit sein könnten. Auch darauf dürfen wir uns bereits freuen.
Es wurde also ein Burschenteam in Schottland angemeldet. Rowby-John Rodriguez, Bernhard Tschinkowitz, Michael Tegl und Manuel Rechberger bildeten dieses Team.
In der Vorbereitungsphase gab es noch einige hervorragende Ergebnisse unserer Burschen. So gelang Rowby der Sieg beim Jugendbewerb beim Denmark Open und der zweite Platz beim Hungarian Open, Michi und Manuel glänzten bei den Herren in den Doppelbewerben in Ungarn mit Platz 9 und beim Austrian Open Vienna mit Platz 5. Auch bei den Österreichischen Meisterschaften in Wien konnten besonders Rowby und Michi glänzen. Die beiden bestritten auch das hochklassige Finale beim Austrian Open Vienna im Jugendbewerb, an dem sehr viele starke Jugendspieler aus verschiedenen Ländern teilnahmen. Kein einziger Spieler unseres Nationalteams konnte da von einem anderen Spieler als eben einem aus diesem Team bezwungen werden. Die perfekte Generalprobe.
Mit gezielten Trainingseinheiten wurde knapp vor der Abreise noch versucht die Burschen auf das Event einzustimmen. Die Teamdresse wurden angefertigt und verteilt. Die Auslosung wurde beurteilt und als positiv empfunden.
Am Donnerstag dem 7.Juli um 7 Uhr morgens hoben wir schließlich vom Flughafen Wien Schwechat in Richtung Aberdeen ab. Die Stimmung im Team war bereits hier hervorragend. Österreichfahnen und Rot-Weiß-Rote Blumenkränze wurden vom Teamleader Rowby verteilt, Witze wurden gerissen, und positive Energie aufgebaut. Knapp vor der Landung in Aberdeen meinte es das Wetter mit unserem Flugzeug nicht so gut. Michis Magen protestierte sichtbar. Aber auch das förderte nur die gute Stimmung – überreichte Michi das Ergebnis doch beim Aussteigen feierlich dem Piloten. Der wird sich in Zukunft wohl sehr bemühen eine ruhigere Landung hinzubekommen.
Es war Mittagszeit als wir in Schottland angekommen waren. Die Grenzformalitäten konnten wir problemlos hinter uns bringen, auch der Bus für den Hoteltransfer stand schon bereit, und zu guter Letzt kam auch noch die Sonne hinter den Wolken hervor. Die Fahrt durch die malerische Landschaft zum Hotel sorgte noch zusätzlich für unser Wohlbefinden.  Alles war perfekt. Die Organisatoren in Schottland leisteten ganze Arbeit.
Der Nachmittag war dann zur freien Gestaltung freigegeben. Die Jungs verbrachten ihn im Hotel und dessen Umgebung, freundeten sich mit den anderen Teams an und besorgten sich im örtlichen Supermarkt Leckereien und Getränke fürs Zimmer. Der Teambetreuer und die mitgereisten Supporter zogen es vor währenddessen das Stadtzentrum von Aberdeen zu besichtigen.
Am Abend wurde bereits wieder fleißig trainiert. Die Burschen suchten bereits da den Vergleich mit ihrer internationalen Konkurrenz.  Um 21 Uhr war dann die Teammanagersitzung angesagt. Der Veranstalter sah sich mit 2 Problemen konfrontiert. Das Team der Türkei musste wegen großen Problemen komplett absagen, und im Team von Russland erhielten je ein Bursche und ein Mädchen kein Visum. Das Team von Russland (ein uns zugeloster Gegner im Teambewerb) wurde vom Teambewerb ausgeschlossen um keinem Team einen leichten Sieg zu ermöglichen. Nun wurde darüber diskutiert die komplette Auslosung zu verwerfen und das Turnier komplett neu auszulosen, oder die vorhandene Auslosung zu adaptieren. Es wurde die einfachere Variante gewählt, und so bekamen wir anstelle der dezimierten Russen die starken Nordiren in unsere Gruppe mit England gesetzt. Weiter gab es keine großen Diskussionen, der Turnierablauf wurde erklärt und die neue Auslosung verteilt. Hinterher gab es noch eine Teambesprechung und dann Nachtruhe.


Der Wettkampftag!
Lord Provost of Aberdeen überreicht mir das Stadtwappen bei der feierlichen Eröffnungszeremonie. Im Hintergrund unsere "Daltons" - Rowby, Michi, Manuel und Berni (von klein nach groß :-) )


Nun war es endlich so weit. Der Tag der Wahrheit hat begonnen. Alle Burschen waren pünktlich beim Frühstück und wärmten sich danach ehrgeizig auf. Die Anspannung war greifbar. Pünktlich begann auch die Eröffnungszeremonie. Unser Team marschierte dabei mit Rowby als Fahnenträger zu den Klängen von „Land der Berge“ als erstes Team auf die Bühne wo mir der Lord Provost of Aberdeen feierlich einen Wimpel mit dem Wappen der Stadt überreichte. Danach durften wir respektvoll dieselbe Prozedur bei den 13 anderen Teams beobachten.  Nun war es klar – es geht los!
In der ersten Runde des Einzelbewerbes traf Rowby auf den Belgier De Freyne. Rowby ließ keinen Zweifel an seiner Motivation, scorte fantastisch und traf auch 2x mit dem ersten Dart die Doppel 20. Noch eine kurze, motivierende Ansage meinerseits und auf zu Manuel. Dieser bekämpfte gerade den Iren Ramsell am Board, auch dieses Spiel sah nach einer klaren Sache für unseren Teilnehmer aus. Also auch hier noch motivierende Worte und auf zu Bernhard. Der hatte es mit dem Holländer de Zwaan ganz schwer erwischt. Und der Niederländer ließ auch keinen Zweifel an seiner tollen Form. Ich konnte gerade noch das letzte Leg bewundern, in dem de Zwaan das Spiel mit einem 13-Darter zum 3:0 Sieg abschloss. „Unlucky Berni, Kopf hoch, in den anderen Bewerben schaut's sicher besser aus“. Berni ging nun zu Manuel um ihn zu unterstützen, während ich zu Rowby marschierte der, überraschenderweise, noch immer spielte. Rowby hatte das dritte Leg verloren, im vierten Leg waren bereits beide Spieler im Finishbereich. Nun verwarf der Belgier 2 Darts am Doppel und Rowby nutzte das eiskalt aus, CHECK – 3:1, Aufstieg. Nun standen wir zu dritt hinter Manuel der auch mit 2:1 in Front lag. Die geballte Willensstärke des Teams und Manuels tolle Darts brachen schließlich den Widerstand des irischen Gegners und auch Manuel zog in die nächste Runde ein. Drei Jungs in der nächsten Runde (Michi mit Freilos), ein toller Start ins Turnier.
Sofort ging es mit Runde 2 weiter. Rowby und Michi gingen hier als Favoriten ins Spiel, während es dieses Mal Manuel mit einem der starken Niederländer zu tun bekam. Ich teilte mir mit Berni die Betreuung der 3 Burschen. Rowby startete gegen den Dänen Rasmussen wieder wie eine Rakete, checkte wieder die ersten beiden Legs mit dem ersten Doppeldart, ich war überzeugt, dass ihn gar nichts aufhalten kann und gehe weiter. Manuel hielt sich wacker, der Holländer spielte stark doch Manuel hielt dagegen und es stand bald 1:1. Michi spielte gegen den Deutschen Knopf, dominierte das Spiel, doch der Doppeldart wollte nicht gelingen und so ging das erste Leg noch verloren. Ich schickte Berni zu Manuel um diesen zu unterstützen und versuchte selbst Michi zu helfen. Der scorte weiter gut, und schließlich konnte er das zweite Leg auch für sich entscheiden, der Knoten schien geplatzt. Ein Blick auf die andere Seite des Saales verriet mir, dass Rowby noch immer spielt. Ich marschierte also zu Rowby. Es stand 2:2, beide Spieler waren am Doppel, der Däne verwarf. „Come on Rowby“, doch der Doppeldart wollte nicht gelingen, der Däne verwarf abermals, Rowby hatte noch drei Chancen, aber auch die Doppel 1 wollte nicht kommen und schlussendlich gewinnt Rasmussen das Spiel mit 3:2. Ab zu Michi. Der war mit 1:2 in Rückstand geraten. Er dominierte aber das vierte Leg und warf als erster aufs Doppel, allein, wie schon im ersten Leg wollte der Dart nicht rein und Knopf gewann mit 3:1. Ab zu Manuel, es stand 2:2. Van Schie hatte mit 180 und 140 begonnen, Manuel mit 26 und 13. Es blieb nur mehr den 13-Darter zu bewundern mit dem der Niederländer das Spiel für sich entschied. Sehr schade, hatte Manuel doch toll gespielt und im vierten Leg mehrere Matchdarts vergeben.
Ein unerwarteter Rückschlag. Dominoeffekt in Runde 2, und alle 3 Niederlagen nicht zwingend notwendig. Ich versuchte die Burschen aufzubauen. In den beiden anderen Bewerben kann man schließlich wesentlich mehr Punkte für die Gesamtwertung holen als im Einzel, das Doppel und vor allem der Teambewerb sind wesentlich wichtiger als der Einzelbewerb bei diesem Turnier.

Es schien zu wirken. Noch vor der Mittagspause waren Manuel und Michi gegen die Iren Brown und Nulty dran. Die beiden schienen sich von ihren Niederlagen gut gefangen zu haben und spielten gute Darts. Nach dem Ausgleich zum 1:1 hatten die Iren nichts mehr zu bestellen und Michi und Manuel siegten mit 3:1. Bravo. Nun verbrachten wir die Mittagspause und die Jungs nutzten die Zeit nach dem Essen wieder mit motiviertem Einspielen.  Die zweite Runde des Doppelbewerbes wurde gestartet. Rowby und Berni spielten gegen die Deutschen Wehder und Menzel. Das Spiel lief zwar nicht 100% rund, bei Berni machten sich Anzeichen eines „Hängers“ bemerkbar (er konnte des Öfteren den Dart nicht loslassen), doch die Gegenwehr des deutschen Doppels hielt nicht lange an und unsere Burschen gewannen souverän mit 3:1. Für Manuel und Michi kam es zum Duell mit den Belgiern De Freyne und Dierick. Es entwickelt sich ein ausgeglichenes Spiel in dem Michi zum Speeddarter mutierte. Eine interessante Entwicklung. Wer Michi kennt weiß, dass auffällig schnelles Spiel für ihn sehr unüblich ist. Ein Versuch, wie er nachher gestand. Freilich ein Versuch der zumindest bei den Würfen aufs Doppel keine Verbesserung darstellte. Aber sicher auch eine Erfahrung für den jungen Mann. Die beiden vergaben ihre Chance aufs 2:2 und verloren schließlich mit 1:3. Im Viertelfinale trafen dann Rowby und Berni auf das Favoritendoppel aus Holland, Hendriks und van Schie. Unsere Burschen begannen das Spiel und spielten stark, doch die Niederländer gewannen das erste Leg mit einem 15-Darter, und waren somit bereits mit einem Break vorne. Im zweiten Leg wollten unsere Burschen zurückschlagen und sie standen nach nur 12 Darts auf 32 Rest, doch Hendriks checkte die 72 Punkte zu einem erneuten 15 Darter aus. Bei Berni machten sich nun die Auswirkungen seines „Hängers“ immer mehr bemerkbar. Die Holländer spielten das dritte Leg routiniert nach Hause und blieben mit 3:0 erfolgreich.
Nun war also auch der Doppelbewerb für uns zu Ende. Aber immerhin hatten wir hier einen Viertelfinalplatz erkämpft. Mit einem starken Teambewerb konnten wir noch eine tolle Platzierung herausholen. Und wir wussten, dass wir ein starkes Team haben. Kaum ein Team hat vier so ausgeglichen starke Spieler in seinen Reihen. Voll motiviert ging das Team ins Spiel gegen die Nordiren. Die Burschen feuerten sich ständig gegenseitig an und versuchten so Feuer ins Spiel zu bringen.
Das erste Leg konnte Rowby auch für sich entscheiden, im zweiten unterlag Berni dem Nordiren. Danach holte Michi sein Leg und Manuel unterlag. Es stand 2:2 und es gab noch kein Break. Dieses gelang dann den Nordiren gegen Berni und Manuel. Das Spiel lief in die falsche Richtung. Speziell gegen den offensichtlich schwächsten Spieler der Nordiren konnten unsere Burschen einfach das Doppel nicht treffen, allein gegen ihn gingen 3 Legs verloren, allesamt mit unzähligen Doppeldarts. Keiner aus unserem Team konnte eine gute Checkleistung abrufen, und so ging das Spiel mit 5:9 verloren. Nun hingen die Köpfe tief. Das Spiel gegen England, das eigentlich ein Höhepunkt sein hätte sollen, war für unsere Jungs dann kein Spaß mehr. Die Engländer fuhren mit voller Motivation an und kannten keine Gnade. Mit 9:0 unterstrichen sie, dass sie sich als Favorit auf den Titel sehen.
Nun war der aktive Teil für uns vorbei. Wir konnten nur mehr zusehen und auf die Endplatzierung warten. Aber die Veranstaltung besteht nicht nur aus dem sportlichen Bereich. Er ist auch Völkerverbindend und Gemeinschaftsbildend. Nach dem Dinner gab’s einen Discoabend für die Jugendlichen, und diese unterhielten sich dabei ausgezeichnet. Um den jungen Leuten den störenden Einfluss der Erwachsenen zu ersparen wurde zeitgleich ein Teammanagerturnier gespielt bei dem es der Teammanager Österreichs seinem Team gleich machte – ich scheiterte mit unzähligen Doppeldarts am finnischen Teammanager. Das Turnier entschied schließlich der schwedische Starcoach Magnus Caris klar für sich. Die bereitgehaltene Trophäe überließ er aber seinem Finalgegner aus Wales.
Ein anstrengender Tag ging zu Ende.
Die offizielle Flagge des traditionellen Bewerbes.



Fazit:

Trotzdem das Ergebnis etwas schwächer als erwartet ausfiel, unser Team sicher unter Wert geschlagen wurde, überwiegen für mich die positiven Aspekte. Für alle vier Burschen war es eine unvergleichliche Erfahrung. Auch aus Niederlagen kann man Nutzen ziehen, und gerade die unerwarteten machen einen stärker, wenn man richtig damit umgeht. Und letztlich war es auch für mich eine sehr wertvolle Erfahrung, war ich doch erstmals als Betreuer bei einem Teambewerb dabei. Auch ich werde daraus lernen. Für Michi und Manuel war es zwar der erste Europe Cup, mit Sicherheit aber nicht der letzte. Diese Burschen sind 13 und 14 Jahre alt, ihnen stehen noch unzählige Jugendbewerbe bevor. Wenn sie ihre hier gesammelten Erfahrungen da ausspielen können, dann stehen ihnen auch noch tolle Erfolge bevor. Das Talent ist jedenfalls vorhanden. Für Rowby und Bernhard war es mit Sicherheit der letzte Europe Cup Youth, allerdings sicher nicht der letzte Nationalteameinsatz. Beide sind am Ende ihrer Jugendspielerzeit mit reichlich internationaler Erfahrung ausgestattet und können auch im Erwachsenenbereich noch für Furore sorgen. Letztendlich haben sie das schon bewiesen. Bernhard hat schon schöne Erfolge gefeiert und vertrat unser Land in diesem Jahr auch beim Springcup. Und über Rowby braucht man dahingehend ohnehin nicht viel zu sagen. Er war schon zweimal beim Springcup, wurde Dritter beim World Masters und ist auch die Nummer 1 der Herren in Österreich. Wenn er die richtigen Lehren aus den zuletzt erlittenen Niederlagen zieht, dann steht ihm auch international eine erfolgreiche Zukunft bevor. Die nächste Chance für Michi und Rowby gibt’s bereits Anfang September beim Winmau World Masters 2011.

Finaltag und Ergebnis:

Am Samstag besuchten wir die hochklassigen Finalspiele. Das Burscheneinzel gewann der Niederländer Jimmy Hendriks gegen Jake Jones mit 3:1 Sätzen. Das Mädcheneinzel gewann Alannah Waters aus Wales gegen Sarah Rosen aus Schweden mit 4:0. Im rein Niederländischen Finale im Burschendoppel blieben de Zwaan/Zuidwijk gegen ihre Teamkollegen Hendriks/van Schie mit 4:0 erfolgreich. Das Mädchendoppel  gewann  England in einem sehr spannenden Finale gegen Schottland mit 4:2. Den Teambewerb bei den Burschen gewann England gegen Holland mit 9:6 im Finale.


Die Gesamtwertung – Burschen: 


1.       Netherlands         182
2.       England               118
3.       Scotland               53
4.       N. Ireland             46
5.       Wales                   43
6.       Germany              43
7.       Denmark              41
8.       Belgium               33
9.       Finland                 31
10.   Austria                  24
11.   Sweden                 11
12.   Russia                   12
13.   Rep. Ireland          4


Die Gesamtwertung – Mädchen:

1.       England                48
2.       Scotland               40
3.       Sweden                35
4.       Wales                   25
5.       Finland                 24
6.       Netherlands          20
7.       Germany              14
8.       Denmark              12
9.       Norway                10
10.   N. Ireland              9
11.   Rep. Ireland           8
12.   Russia                    8
13.   Belgium                 5
Die großen Sieger: Niederlande!


Letztlich also der 10. Rang für unser Team, noch vor den traditionell starken Schweden mit Starbetreuer Magnus Caris.  Unsere Gruppengegner im Teambewerb belegen die Plätze 2 und 4 in der Gesamtwertung, der ursprünglich zugeloste Gruppengegner Russland  kam nur auf Rang 12. Insgesamt kann man das Ergebnis also auch als recht unglücklich zustande gekommen betrachten.
Die Siegerehrung wurde sehr feierlich begangen. Wieder durfte unser Team als erstes in den Saal einziehen. Unmittelbar vor uns gingen zwei Dudelsackbläser in den Saal die schottische Folklore vortrugen. Nachdem mit Schottland das letzte Team eingezogen war spielten die Bläser die schottische Hymne „Flower of Scotland“. Die Anwesenden Schotten sangen lautstark den Text dazu und ersetzten mit ihren Trachtenschuhen die Drummer. Ein sehr feierlicher Moment.
Flower of Scotland


Anschließend wurden vom Lord Provost of Aberdeen die Preise an die Sieger verliehen. Der Tisch der Niederländer drohte fast unter der Last der unzähligen Trophäen einzubrechen. Nach dem Bankett gab es noch Party mit Karaoke, und die gute Stimmung hielt bis spät in die Nacht an.
Am Sonntag um 19 Uhr landeten wir schließlich mit 2 Stunden Verspätung in Wien Schwechat (dank Air France, die an dem voll besetzten Flugzeug in Paris noch 2 Reifen wechseln musste). Nach einem letzten gemeinsamen Imbiss am Flughafen konnte ich schließlich alle Teammitglieder gesund und munter in Richtung Heim entlassen.
Mir bleibt nur noch eines zu sagen: Danke euch für die schönen Tage Burschen!
Der feierliche Einzug zur Abschlußfeier. Österreich voran!


Die schottische Teammanagerin übergibt die Flagge an den nächsten Veranstalter: Belgien!


Auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr in Belgien freut sich
Gery Michal (Jugendbetreuer des ÖDV)

Unser Team: Manuel Rechberger; Bernhard Tschinkowitz; Rowby-John Rodriguez;Michael Tegl; Teammanager Gery Michal

Sonntag, 12. September 2010

2010 Yes we can. Das Jahr der Veränderung?!

1. Der Auftakt

Das Dartsjahr begann wie immer mit dem Dreikönigsturnier in Linz. Und bereits da zeichnete sich eine Revolution im österreichischen Dartssport ab.
Mit Rowby John Rodriguez, der Rene Jörgensen und Martin Kurecka besiegte, und Bernhard Tschinkowitz, der Zoran Lerchbacher aus dem Turnier nahm, schafften 2 Jugendspieler den Einzug ins Halbfinale des Herreneinzelturniers. Und in diesem durften sie auch gleich gegeneinander antreten. Die Sensation war also perfekt: Ein Jugendlicher im Finale dieses hochwertigen Ranglistenturniers.
Im Finale traf dann Rowby auf Franz Thaler. Der Routinier konnte hier den Angriff der Jugend gerade noch einmal abwehren. Trotzdem: Mit Platz 2 + 3 für unsere hoffnungsvollen Talente bei diesem hochrangigen Ranglistenturnier fand ein bemerkenswerter Einstieg in dieses Dartsjahr statt.

2. Das Nationalteam

Ein Jugendlicher im Nationalteam. "Jo derfns denn dös?"
In Wien kam es zum Qualifikationsturnier für den Springcup 2010. Vorher musste noch geklärt werden, ob ein Jugendspieler an diesem teilnehmen kann. Ja, es ist möglich. Somit konnte Rowby also an der Quali teilnehmen. Und er beeindruckte auch dort wieder mit starken Leistungen. Und so kam es, dass er sich für das Springcup - Team qualifizierte, nur ein Jahr nachdem er aktiv in den Dartssport eingriff.
Ist das nicht zu früh, kann er dort bestehen? Wird er da nicht abgeschossen und verheizt?
Mitnichten!
Rowby gewann beim Springcup in Pecs/Ungarn im Einzel 16 Legs. Er war damit hinter August Jost und Franz Thaler (je 18), gleichauf mit Martin Kurecka der drittfleißigste Punktesammler unseres Teams. Auch das Doppel mit Christoph Kleindienst und Rowby John konnte überzeugen, und war somit immerhin das drittbeste Doppel unseres Teams. Der Jugendspieler holte somit insgesamt 28 Punkte für Österreich, und fand sich damit bei seinem ersten Antreten im Mittelfeld (Viertbester) des Teams wieder. Österreich belegte den 6. Endrang.
Im abschließenden Einzelbewerb am Sonntag konnte Rowby-John nochmals aufzeigen, denn er besiegte sensationell den Ungarn Kaufmann und den Holländer Ernst. 

3. Auf zu neuen Taten, und Vulkanasche

Ein solch erfreulicher Saisonauftakt bringt natürlich viel Schwung. Mit diesem ausgestattet lässt es sich natürlich leichter an die folgenden Aufgaben herangehen.
Aber auch auf anderen, internationalen Schauplätzen gab es neues. Seit einigen Jahren sind wir Österreicher Stammgäste beim Ollerton Open in England (mit immer wechselnden Reiseteilnehmern, rund um die Konstante Alex Schmidt). Noch nie konnte ein österreichischer Spieler dort ein Spiel gewinnen, selbst Ali Ghafouri scheiterte an diesem Vorhaben. Nun war erstmals Mensur Suljovic mit dabei. Ihm ging es selbstredend nicht um das relativ kleine Turnier in Ollerton, sondern viel mehr um die Teilnahme an einigen PDC-Events im Laufe seines Aufenthalts in England. Die Anwesenheit des wiener Weltklassespielers machte sich aber deutlich bemerkbar. Viele der starken Engländer wollten mit ihm trainieren, und auch wir wurden ins Trainingsprogramm des eifrigen Mensur eingebunden.
Beim Turnier selbst kam es dann zum "Mensureffekt". Alle mitgereisten Österreicher gewannen zumindest ein Spiel. Mit einem "Leithammel" ist alles gleich viel leichter. Mensur selbst kam bis ins Halbfinale, jedoch scheiterte er dort an der Doppel 17.
Nun sollte es für einige von uns zurück nach Österreich gehen, um die aufgebaute Form in Sankt Pölten unter Beweis stellen zu können. Doch da greift Eyjafjallajökull ein. Dieser böse isländische Vulkan bricht aus, und ausgerechnet am Abreisetag wird der Luftraum in England für den Flugverkehr gesperrt. Wir sitzen fest.
So erlebe ich das Sankt Pölten Open nur per SMS mit. Und das ist extrem schade.
Was ist besser als ein Einzug ins Finale? Richtig! Selbiges zu gewinnen. Mit 16 Jahren, nach nur 15 Monaten aktivem Dartsspielen gewinnt Rowby John Rodriguez sein erstes Ranglistenturnier. Und gleich ein internationales.
"Auf dem Weg ins Finale konnte der Jugendspieler des DC Darts Control unter anderem Martin Kurecka, August Jost und Erich Erich Stadler besiegen. Im Finale selbst traf er dann auf den ungarischen Topspieler Nandor Bezzeg, der seinerseits Dietmar Burger und Zoran Lerchbacher aus dem Turnier warf. Doch auch diese Hürde war am Sonntag nicht zu hoch für Rowby-John und er gewann damit nur wenige Tage nach seinem ersten, durchaus erfolgreichen, Nationalteameinsatz beim Springcup in Pécs, in eindrucksvoller Manier sein erstes ÖDV-Ranglistenturnier."
So prangte es auf der Startseite der WDV - HP. Und wahrlich, ein Finalsieg gegen den ungarischen PDC-Star ist eine unglaubliche Leistung, für jeden, nicht bloß für einen Jugendspieler.

4. Auf in internationale Gewässer

Nach dem vorjährigen Ausflug nach Prag, und den Erfahrungen beim Springcup, ist es für den Jugendmeister an der Zeit, internationale Reife zu beweisen, und zwar im Jugendbereich. Dazu braucht es ein hochwertiges Turnier, an welchem auch die stärksten Jugendspieler des Kontinents teilnehmen würden.
Also, auf nach Belgien. Der geneigte Autor setzt sich ins Auto, schnappt sich den Jugendspieler, und fährt in einer Tour durch nach Herentals/Antwerpen zum Antwerp Open. Ein sehr mühsames Unterfangen, welches ich so nicht mehr auf mich nehmen werde. Aber immerhin, ich habe uns pünktlich und sicher an den Turnierort gebracht. Rowby wird ohnehin beim Einsteigen in ein Gefährt mit 4 Rädern automatisch von der Tse-Tse - Fliege gestochen, und kommt daher  regelmäßig ausgeschlafen am Ziel an. Und dank des netten Mannes an der Rezeption durften wir unser Zimmer bereits um 7 Uhr morgens beziehen, und auch ich kam so noch zu gut 2 Stunden Schlaf.
Am Samstag stand das Doppel an. Bei einem hochwertigen BDO-Turnier ist einiges an Losglück nötig um nicht schnell zum Zuschauer degradiert zu werden. Und siehe da, wir konnten uns nicht beschweren -> Freilos. Dann das erste Spiel, der Gegner kommt nicht, und schon sind wir in Runde 3.
Jetzt wird's aber ernst. Die starken Holländer Kamphuis und de Geus spielen sich auf unserem Board ein. Sie treffen wie Maschinen und haben gute Laune. Wir werfen am Nebenboard ein paar Darts. Als sie den "Riesen" Rowby erblicken, bekommen sie fast einen Lachkrampf. Sie wollen aber noch nicht glauben (so viel niederländisch versteht selbst unsereins), dass sie jetzt gegen ein "Kind" spielen dürfen.
Nun, sie sollten einem Irrtum unterliegen. Sie mussten gegen uns spielen. Und auch beim Handshake konnten sie das Lachen nicht einstellen. Das Lachen verging ihnen, und zwar schnell. Mit 3 140ern und einem schnellen Checkout holten wir das 601er-Leg schnell nach Hause. Das zweite Leg durften wir beginnen, und wir konnten uns Dank dieses Vorteils auch hier durchsetzen. Dann zeigten uns die Holländer mal kurz, dass sie nicht zum Verlieren hier sind und holten ein Leg auf. Im vierten Leg warfen die Gegner zuerst aufs Doppel, und trafen nicht. Ich hatte 40 Rest, Single 20, Single 10, durchziehen Doppel 5 - Check, Game and Match. Thank you. Nix war mehr mit Lachen. Auch die zahlreichen Zuschauer hinter dem Spielbereich waren angemessen beeindruckt ob der Leistung des Jugendspielers.
Nun also Boardfinale. Die Gegner waren für mich alte Bekannte. Arnold Paap und sein Partner Paul Maes sind mir von zahlreichen Turnieren in früheren Jahren gut bekannt. Vor allem Arnold habe ich oft sehr bewundert. Nun gab's aber nix zu bewundern, der Gegner wurde bekämpft. Die beiden routinierten Herren nahmen uns sehr ernst, und so wurde es trotz guter Scores nichts mit einem schnellen Break wie im Spiel zuvor. Unseren "Aufschlag" konnten wir aber souverän durchbringen. Im dritten Leg dominierten wieder die Heimischen. Im vierten Leg gelang Rowby die 180, und wir waren schnell am Doppel. Da warf auch Arnold plötzlich die 180, für die aussichtslos zurückliegenden Belgier. 9 Darts reichten aber nicht, um dieses verflixte Doppel zu treffen. Schade, aus war's. Platz 17, und 40€ Preisgeld - immerhin.
Der nächste Gegner wäre die Nummer 1 des Turniers gewesen, ewig schade. Immerhin durfte ich dieses Spiel schreiben. Und siehe da Darryl Fitton und Tony O'Shea kamen gehörig in Bedrängnis. Nach 1:2 Rückstand gewannen sie mit viel Mühe dieses Spiel. Wer weiß schon was da alles möglich gewesen wäre?!
Mühe hatten die beiden dann auch in jedem weiteren Spiel, das Turnier gewannen sie trotzdem.
Nach einem gemütlichen Abendessen im Chinarestaurant kam ich endlich zu meinem verdienten Schlaf, während sich Rowby noch am Jahrmarkt unterhielt.
Am Sonntag dann die Einzelbewerbe. Marco Bruul aus Holland hieß er, mein Gegner. Das Spiel begann beiderseits sehr nervös. Ich konnte das Doppel nicht treffen, und das erste Leg war weg. Im zweiten Leg die selbe Geschichte, aber dankenswerter Weise hatte mein Gegner Mitleid und verwarf auch unzählige Darts am Doppel. Nach gefühlten Stunden traf ich endlich zum 1:1 in die Doppel 1. "Gut gemacht, Junge." tönte mein Gegner, um mit 121 und 140 ins dritte Leg einzusteigen. Als er seine ersten 3 Darts auf 32 verwarf stand ich noch auf 155 Rest. Triple 20, Triple 19, Doppel 19 - BAMM, 2:1 für mich. Das beeindruckte meinen Gegner sichtlich, und machte mein Spiel sicherer. Die nächsten 2 Legs spielte ich locker heim, und stieg mit 4:1 in die nächste Runde auf. Der mir unbekannte Stephane Tambour aus Belgien wartete. Ich erhoffte mir viel, da ich in der zweiten Hälfte des Erstrundenspiels schön zu meinem Spiel gefunden hatte. Aber unverhofft kommt oft. Stephane begann mit 180, 171, 138, und traf die Doppel 6 mit dem ersten Dart. Patsch, ein 10-Darter. Mein Spiel war irgendwo, der Gegner traumwandlerisch sicher, und ich gewann, sehr zur Freude seines kleinen Sohnes der mit Mama zusah, kein einziges Leg. Da bleibt einem nur die Anerkennung für ein tolles Spiel, ich hatte keine Chance. Stephane führte auch seinen nächsten Gegner noch mit 4:0 vor, scheiterte dann aber an Braulio Roncero der kleinen Dartslegende aus Spanien.
Das Herrenturnier gewann nach vielen Überraschungen Stuart Kellet aus England gegen Gino Vos mit 3:2 Sätzen im Finale.

Das Jugendturnier war hochklassig besetzt. 29 (!!!) Niederländer, 10 Belgier und 1 Österreicher stellten sich der Aufgabe. Rowby erwischte, wenig überraschend, gleich eines der zahlreichen holländischen Talente. Hier geht's gleich zur Sache, hohe Scores und keine Schwächen am Doppel. Aber Rowby ist motiviert, stellt sich der vehementen Gegenwehr - und gewinnt mit 3:2. Die Holländer blieben Rowby als Gegner treu, aber dieser hat den Respekt nun abgelegt und gewinnt sein zweites Spiel souverän mit 3:0. Der dritte Gegner, Kay Smeets, natürlich auch aus den Niederlanden, war wieder ein richtiges Kaliber. Und Rowby kämpft, und er erkämpft sich Matchdarts, und er - vergibt. Enttäuscht steckt er seine Darts ein, ich sage - "lass das, du brauchst sie noch" - und ich sollte Recht behalten. Auch sein Gegner verwirft die Matchdarts. Aber Rowby hatte wohl innerlich schon abgeschlossen mit dem Spiel und verwirft neuerlich. So geht das Spiel mit 2:3 verloren. Die Enttäuschung ist nicht allzu groß, die Leistung war in Ordnung, und er hatte wieder etwas für die Zukunft gelernt.
Das Jugendfinale war selbstredend eine interne holländische Angelegenheit. Der in bestechender Form spielende Dutch Open Youth - Sieger Jimmy Hendriks ließ seinem Landsmann Daniel van Mourik keine Chance, und fegte mit 5:1 über ihn hinweg.
Die Heimfahrt war dann zunächst wesentlich gemütlicher als die Anreise. Die Autobahnpolizei in Deutschland wollte uns aber partout nicht glauben, dass wir bei einem Dartsturnier in Belgien waren. Und so untersuchten sie unsere Taschen und das gesamte Auto nach Drogen. Na gut, soll sein, ist eh nichts zu finden. "Und außerdem sind das eh schlechte Polizisten", wie Rowby meinte. Denn seine am Vorabend am Jahrmarkt gewonnene Plastikpistole ist ihnen gar nicht aufgefallen.
Dann fiel noch der Scheibenwischer aus, und natürlich begann es in Österreich zu schütten. Bei Nacht nicht das große Problem, aber doch wieder mühsam, musste ich doch sehen, bei Dunkelheit so weit wie möglich zu kommen. Um 6 Uhr waren wir dann auch in Wien.

Neues Turnier, neues Glück. Auf nach Budapest. Franz Thaler fuhr mit uns nach Budapest zum BDO Turnier, und somit waren wir dieses Mal zu dritt unterwegs. Etliche Stars tummeln sich hier. Zunächst liefs in den Einzeln nicht so gut. Rowby war gleich weg, hatte aber auch Lospech, und spielte sich gegen den ehemaligen ungarischen Jugendeuropameister ins Entscheidungsleg eines hochklassigen Duells. Ich konnte ein fürchterliches erstes Leg mit einem eigenwilligen 122er Ckeckout noch holen, die Single 15, Triple 19, Double Bull Variante brachte nicht nur den Schreiber, sondern auch meinen slowakischen Gegner aus der Fassung. So konnte ich danach das Spiel für mich entscheiden. In Runde 2 war aber auch für mich Endstation, immerhin konnte ich ein Leg mit einem 90er - Finish holen. Der tschechische Spieler war aber zu stark für mich. Die fehlenden Namen unserer Gegner bitte ich hier zu entschuldigen. Es gibt von diesem Turnier nirgendwo Aufzeichnungen zu finden. Franz war am längsten im Turnier, leider kam aber auch für ihn das Aus bevor es Weltranglistenpunkte zu hamstern gegeben hätte.
Das Doppel und der Jugendbewerb überkreuzen sich. Für Rowby kann's nur eine Priorität geben, also bestreiten Franz und ich das Doppel. Im ersten Spiel klappt noch alles ganz gut, und wir gewinnen souverän. Das änderte sich dann aber, denn im weiteren Turnierverlauf spielten andere die Hauptrolle. Dabei hatten wir uns einiges vorgenommen, schließlich hatten Franz und ich dieses Turnier schon mal gewonnen.
Die Hoffnung lag also wieder mal an Rowby. Der konnte sich im Jugendbewerb auch wieder stark in Szene setzen, und spielte sich souverän ins Halbfinale. Dieses wurde bereits auf der Bühne gespielt. Und Rowby mußte warten. Die Brüder Daranyi spielten sich auch im Herrendoppel ins Finale, so verzögerte sich das Halbfinale von Rowby gegen Thomas Daranyi einige Zeit. Auch diese Widrigkeit konnte Rowby aber nicht stoppen, er zog nach einem tollen Spiel ins Finale ein. Dort wartete Zoltan Daranyi, und diesem gelang es sich für die Niederlage seines Bruders zu revanchieren. Dieses Mal ist Rowby nur knapp gescheitert. Aber er hat ja noch 2 Chancen, sich für die Winmau World Masters zu qualifizieren.

Das schöne am Sport ist, dass man nach einer Niederlage immer die Chance hat, sich wieder zu rehabilitieren. Die nächste Chance kommt bestimmt. Das Vienna Austrian Open war so gesehen eine willkommene Gelegenheit. Ein neunter Platz im Doppel konnte uns zwar nicht glücklich machen, aber der Gegner war auch sehr stark, und so konnte man die Niederlage leicht verarbeiten.
Im Einzel begannen der Winkler Wolferl und ich in Runde 1 unseren Schreiber, den Roman Gebhardt, ordentlich zu quälen. Keinem wollte ein anständiger Score oder wenigstens ein Doppel gelingen. Irgendwie gewann ich dieses Unspiel dann nach mehr als einer Stunde Schwerarbeit, und ich war wohl nicht der Glücklichste am Board nach diesem Spiel.
Mein nächstes Spiel mußte ich gegen Ali Ghafouri bestreiten, und bei einer solchen Performance würde das nicht lustig werden. Schnell verzog ich mich an die Bar und führte meinem Körper Zucker und andere Hilfsmittel zu. Ein Entschuldigungsgetränk für Roman war natürlich auch obligat.
Das Spiel gegen Ali begann dann bei weitem besser als erwartet, allein, das half gar nichts. Ali spielte wie aus einem Guss und gewann die ersten drei Legs souverän. Jetzt galt es nur nicht zu null zu verlieren. Ich kämpfte, und ich wurde belohnt. Mit einem Break nach 17 Darts fand ich ins Spiel, und ich konnte den zweiten Satz mit 2:1 für mich entscheiden. Das kostete Kraft, und Ali holte sich das erste Leg im Entscheidungssatz. Mit 18 Darts konnte ich jedoch wieder ausgleichen. Ein Entscheidungsleg ist doch eine feine Sache, alles, was vorher war, wird ausgeblendet, der Focus gilt einzig den 501 Punkten, die man jetzt noch abzuarbeiten hat. Während ich 429 Punkte getroffen hatte, hat Ali gleichzeitig 461 Punkte gescort, und stand also auf 40 Rest. Ich musste die 72 restlichen Punkte also checken. Die Triple 16 kam sofort - Konzentration - Wurf - Draht außerhalb - Konzentration - Wurf - Treffer - und der Dart fällt raus. Jeder konnte sehen, dass der Dart im Ziel war, allein, er fand keinen Halt. Das war bitter. Ali wirft 20 - 10 - beide Darts waren nicht nahe am Doppel - er wirft - und der Dart bleibt im Eck am Draht des Doppel 20ers im Doppel 5er hängen. Aus. Unglaublich. Wie kann man nur so ein Pech haben? War wohl die Strafe für das furchtbare Spiel in Runde 1, wo ich bis jetzt nicht weiß wie ich das gewonnen habe. Ali hat sich den Verbleib im Turnier jedenfalls verdient. Er besiegte anschließend seinen sehr starken englischen Kontrahenten in einem phantastischen Spiel, welches ich schreiben durfte.
Das hochklassige Turnier spitzte sich immer mehr zu, und 2 Österreicher eilten von Sieg zu Sieg. Josef  Kraus befindet sich in beneidenswerter Form, und niemand kann ihn stoppen. Nandor Bezzeg steht im Halbfinale nach 8 perfekten Darts auf 24 Rest, leider bleibt der neunte Dart am Draht hängen. Josef lässt sich aber selbst davon nicht beeindrucken und zieht ins Finale ein.
Der zweite Österreicher ist die wahre Sensation. Wieder war es Rowby-John Rodriguez. Er gewann sowohl im Jugendbewerb als auch im Herrenbewerb Spiel um Spiel, er steigerte sich in einen wahren Spielrausch. Schließlich schaffte er das unfassbare, er zog in beiden Bewerben ins Finale ein.
Im Jugendfinale standen sogar 2 österreichische Vertreter, auch Bernhard Tschinkowitz schaffte es auf die Bühne. Aber Rowby ließ sich dieses mal nicht mehr die Butter vom Brot nehmen. Er gewann das Jugendturnier, und erreichte damit die so ersehnte Qualifikation fürs Winmau World Masters aus eigener Kraft.

Im Finale des Herrenturniers dominierte zunächst Josef, aber Rowby fand nach und nach ins Spiel. Schließlich verfehlte er aber das Doppel zum Satzausgleich, und Josef triumphierte. Auch er hat sich damit aus eigener Kraft fürs Winmau World Masters qualifiziert. Und er fährt mit hohen Erwartungen nach Kingston upon Hull.

5. Sanfte Revolution

Auch eine Generalversammlung des ÖDV hat stattgefunden in diesem bewegten Halbjahr. Und es blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Von vielen längst erwünschte Veränderungen haben stattgefunden. Trotzdem konnten Machtkämpfe und Streitigkeiten vermieden werden. Die Reform findet in Ruhe und Eintracht statt. Es gibt einen neuen Präsidenten, und erstmals kommt dieser aus Kärnten. Martin Binder wird unseren Verband in Zukunft führen. Mit der Schriftführerin Daniela Piassoni und dem Vizepräsidenten und Sportwart Wolfgang Winkler wurden 2 weitere Vorstandsmitglieder für den ÖDV gewonnen, welche durch ihren Schwung und ihr Engagement frischen Wind in die Vorstandsarbeit bringen.
Im sportlichen Bereich wurden die Kompetenzen fürs Damenteam und die Jugendarbeit getrennt. Und es freut mich besonders, dass der Verband mir die Aufgabe der Jugendbetreuung anvertraut hat. Ich werde dieser Herausforderung mit großem Ehrgeiz nachgehen.


6. And the Oscar goes to .....

Die österreichischen Meisterschaften sind natürlich etwas ganz besonderes. Im idyllischen Rassach in der Steiermark fanden sich im Juni die Kandidaten für die Meisterschaft ein. So kurz nach dem Weltranglistenturnier in Wien müssten sich einige Spieler in Hochform befinden, man durfte also gespannt sein.
Zum Auftakt die Doppelbewerbe. Rowby und meine Wenigkeit fanden gut ins Turnier und eilten von Sieg zu Sieg. Alles lief wie am Schnürchen, und so konnten wir tatsächlich das Finale erreichen. Nun wurde noch ein Mickey Mouse Doppelbewerb gespielt. Auch hier lief es nicht schlecht. Im 1/4 - Finale trafen wir auf unsere Klubkollegen Angelo Koller und Franz Thaler. Schnell führten wir 2:0 und es schien alles locker von der Hand zu gehen. Tja, es schien. Franz und Angelo kämpften sich ins Spiel zurück, und drehten die Partie zum 3:2. Schließlich gewannen Franz und Angelo auch das Turnier. Gratulation. Immerhin bleibt der Titel beim (aus unserer Sicht) "richtigen" Klub.
Im Herrendoppelfinale trafen wir auf Ali Ghafouri und Christoph Kleindienst. Das Spiel war nicht unbedingt hochklassig, aber sehr spannend. Mein Spiel war irgendwie abgerissen, aber dank Rowbys toller Performance ließen wir kein Break zu und schafften es ins Entscheidungsleg. Aber auch hier kam es zu keinem Break. Ali hatte kein Mitleid, versenkte den ersten Matchdart in der Doppel 8 und ließ Rowby nicht mehr auf die 56 Rest werfen. Dabei hatte sich dieser doch schon so darauf gefreut. Ok, Vizemeister ist auch fein, wir waren soweit zufrieden. Bei der Fahrt ins Hotel fragt Rowby mich: "Was glaubst du, wer gewinnt morgen?" Ich sagte: "Wenn du morgen so spielst wie heute, dann du." Er: "Nein, ich mein bei den Herren, nicht in der Jugend." Ich: "Ja, eh." Er: "Aha."
Nun, schade, dass man bei uns nicht auf Darts wetten kann.
Während ich schon im ersten Spiel zu dämlich war, einen von mehreren Matchdarts zu verwerten, eilte mein Teamkollege von Sieg zu Sieg. Rowby zog souverän ins Finale des Jugendbewerbs, des Cricketbewerbs und des Herreneinzels ein. 
Nun startete die große "Little John" - Show. Zunächst wurde das Cricketfinale gespielt. Das erste Leg sollte noch Ali für sich entscheiden, was im Nachhinein betrachtet eine heroische Leistung war. Die nächsten 3 Legs holte Rowby und es hieß erstmals: And the winner is: Rowby - John Rodriguez.
Es folgte das Jugendfinale. Bernhard Tschinkowitz versuchte alles. Aber Rowby wollte heute kein Leg mehr verlieren. 4:0. Und zum zweiten Mal hieß es: And the winner is: Rowby - John Rodriguez.
Nun war das Herrenfinale an der Reihe. Franz Thaler gegen Rowby - John Rodriguez. Gleichlautend fand eine Woche davor das Finale der Klubmeisterschaft des DC Darts - Control statt. Hier konnte sich der Routinier knapp durchsetzen. Man durfte also wieder ein spannendes Spiel erwarten. Doch Rowby war an diesem Tag gnadenlos. Er ließ der Nummer 1 kein Leg, gewann tatsächlich mit 5:0. In Worten fünf zu NULL!!!
Und noch mal hieß es: And the winner is: Rowby - John Rodriguez.
Fast peinlich, dass ich in den beiden Doppelbewerben eine perfect Championship für Rowby "verhindert" habe.
Nun war der 16-jährige Bursche 3-facher österreichischer Meister, und Nummer 1 in der österreichischen Rangliste. Eigentlich ein Märchen. Hoffentlich werden in diesem noch einige Kapitel geschrieben.


7. Neue Saison, neues Glück


Gespannt warten alle Dartsspieler immer auf das Ende des Sommers. Endlich beginnt eine neue Saison. Und sie beginnt mit dem Carinthian Open in Klagenfurt. Wie ist die Form? Beim Weltranglistenturnier lässt sich das leicht überprüfen. Bei den meisten heimischen Spielern ist keine Frühform zu entdecken, setzten sich im international starken Teilnehmerfeld durchwegs Gäste aus Deutschland und Ungarn durch. Auch Rowby musste anerkennen, dass eine Erstrundenniederlage durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Bereits in Nationalteamform befanden sich aber Franz Thaler (3.), Josef Kraus und August Jost (jeweils 5.), welche tolle Spiele ablieferten.
Im Jugendbewerb gab es Konkurrenz aus Ungarn und Holland. Das große Talent Michi Tegl (13 Jahre, aus Krems) musste die Überlegenheit seines niederländischen Gegners anerkennen. Rowby konnte sich gegen seinen ungarischen Kontrahenten klar durchsetzen.
Das Finale zwischen Rowby und dem holländischen Supertalent war dann das beste des Abends. Rowby zeigte unbändigen Siegeswillen, und holte sich mit einem Schnitt von 78,6 den Sieg in der Höhe von 5:2. Der Holländer konnte einem leid tun. Er spielte sehr gut, und musste sich trotzdem nachher bittere Kritik von seinem Begleiter (Trainer? Vater?) anhören. Da hat man sich den Turniersieg und die Qualifikation fürs Winmau World Masters wohl etwas einfacher vorgestellt. Diese hat Rowby nun auch schon fürs Jahr 2011 in der Tasche. Das nächste Kapitel ist eröffnet ........





Good Darts und liebe Grüße, Euer Gery

Montag, 4. Januar 2010

Kann man Taylor besiegen?

Diese Frage wird alljährlich gestellt, wenn die Weltmeisterschaften der PDC in London beginnen. Am Ende steht dann meistens fest: Nein, kann man nicht.

Dieses Phänomen ist tatsächlich unbeschreiblich. Phil "the Power" Taylor ist unbesiegbar. Er schafft es noch immer sein Spiel zu verbessern. Er schafft es noch immer sich zu motivieren. Er hat noch immer Spaß daran seine Gegner zu zerstören, sie regelrecht vorzuführen. Er kann sich über seinen 15. Titel noch immer freuen als ob es sein erster wäre.
Was muß passieren, dass dieser Mann vom Thron der Dartswelt gestürzt wird?
Ein Beispiel dafür gab es ja schon: Er muß die Lust verlieren. Die Motivation dazu, sich täglich mehrere Stunden zu quälen.

Und es ist eine Qual. Es ist furchtbar, wenn du allein am Board stehst und wirfst, und wirfst, und wirfst...... Wenn du triffst, und triffst, und triffst, ..... Niemand sieht dir zu, keinen Menschen interessieren deine Trainingsleistungen, es gibt keinen Applaus, keine Anerkennung, ja nichtmal das böse Gesicht eines Kontrahenten. Und trotzdem, er wirft und trifft, und er trainiert weiter. 5x 180 in Serie? Ok, das war gestern, heute müssen es dann 6x sein - mindestens. Zwei 9 Darter? Das war gestern, heute sollten es schon drei sein.
Stunde um Stunde trainiert dieser Mann, jeden Tag, will immer noch besser werden. Und er wird immer noch besser!

Sollte die Konkurrenz sich wirklich erfürchtig zurücklehnen, und darauf warten, dass Phil das Siegen zu fad wird, dass er wieder mal die Lust verliert, diesesmal für immer?
Darauf kann die Konkurrenz lange warten. Denn selbst wenn er die Lust verliert, es ist nicht für immer. Das hatten wir schon mal, und er kam stärker denn je wieder zurück. Zum Verlieren hat er nämlich noch weniger Lust als zum Trainieren. Und ein Leben ganz ohne Darts? Das ist kein Leben für Phil Taylor.

Die herkömmlichen Konkurrenten haben sich in ihr Schicksal ergeben. Die Herren Manley, Painter, King, Lloyd, Part, van Barneveld und wie die alten Hasen alle heissen. Diese tollen Spieler haben es probiert, sie wollten den Diktator vom Thron stoßen - sie sind kläglich gescheitert. Zu mehr als ein paar, sicherlich schmerzhaften, Ohrfeigen hat es nie gereicht.
Doch der Dominator gibt diese Ohrfeigen nicht nur zurück, nein er setzt immer noch einen drauf. Er ohrfeigt die Konkurrenten nicht mehr, er zertrümmert sie. Er vernichtet die Gegner, er führt sie vor. Er stellt sie an den Pranger und überlässt sie dem Spott SEINES Publikums. Jenes Publikum, welches sich nichts sehnlicher wünscht, als dass da einer kommt und ihm zeigt, dass er nicht mehr der alleinige Herscher über die Dartboards dieser Welt ist. Es liegt ihm aber trotzdem zu Füßen. Was soll es auch sonst tun? Es gibt niemanden, der den Machtanspruch stellen könnte.

Die Konkurrenz muß endlich erwachen, die "junge" Konkurrenz muß erwachen. Ein Whitlock hat das Zeug dazu, ist zwar nicht mehr ganz so jung, aber im PDC - Zirkus unverbraucht. Ein Webster, ein Lewis, ein Wade, ein Klaasen - alle Jung und unendlich talentiert - sie alle haben das Zeug dazu. Aber wer hat die Power? Wer von ihnen kann sein Leben so umstellen, dass er dem Taylor auf die Füße steigen kann? Mit weniger Arbeit als der Champ sich selbst aufbürdet wirds nicht gehen, mit gleichviel Arbeit wirds auch nicht gehen. Diese Jungs müssten mehr arbeiten als Tayxlor dies tut, täglich, immer und immer wieder. Nur dann könnte es was werden.

Ich denke, dass Whitlock der einzige ist, der das kurzfristig umsetzen könnte. Er hat seinen bisherigen Weg von Australien aus beschritten, war noch nicht vollständig im Zirkus dabei. Nun steigt er voll ein. Der Verlust seiner Familie ist zwar bitter, aber auch eine Chance. Er kann sich jetzt voll auf seinen sportlichen Erfolg konzentrieren, und er wirkt auch dementsprechend motiviert und fokusiert.
Entweder er schafft es in den nächsten beiden Jahren Taylor die Stirn zu bieten, oder wir werden auch noch über den 20-fachen Weltmeister Phil Taylor diskutieren.

Auch ein Webster könnte es schaffen - aber eher mittelfristig. Er feierte bereits unglaubliche Erfolge in seiner kurzen Karriere. Wenn er sich damit nicht zufrieden gibt, wenn er sich die Tracht Prügel, welche er gerade vom Champ eingefangen hat, zu Herzen nimmt, wenn er sich sagt - "nie wieder machst du das mit mir!" - dann hat er eine Chance. Er muß aber auch verstehen, dass die nächsten Schritte kleinere sind als die bisher gewohnten, und unendlich schwierigere, und mit unendlich viel härterer Arbeit verbunden. Nimmt er diese Herausforderung an? Hoffen wir es!

Und langfristig hoffen wir, dass noch ein paar solcher Typen in der Dartslandschaft auftauchen. Vielleicht ja auch irgendwann mal einer aus unserem Land?

LG, Gery


 
 

Samstag, 19. Dezember 2009

Prag, eine Reise wert?

Der Tschechische Verband veranstaltet in Prag ein Weltranglistenturnier mit BDO-Ranking. Erstmals mit BDO-Ranking. Ein durchaus interessanter Wettbewerb könnte das sein. Alleine hinfahren ist langweilig, also mal umhören wens noch interessiert. In Wien mal niemanden. Bernhard Tschinkowitz muss seine Reise absagen, da der Jugendbewerb bereits am Freitag abends stattfindet. Apropos Jugend, da gibt’s doch in meiner Mannschaft ein tolles Talent, dieser Jugendbewerb wäre doch der richtige nächste Schritt für Rowby. "Hast du Lust?" "Hast du Zeit?" - "Ja!" "Ja!" Ein kurzes Telefonat mit der Frau Präsident und Auslandsreferentin des ÖDV, und schon sind wir für alle Bewerbe angemeldet, einen Tipp bezüglich des günstigen Veranstaltungshotels inklusive.Freitag früh gehts also los. "Hast du deinen Reisepass mit?" "Äh, den hab ich nicht gefunden. Ich hab aber eh den Staatsbürgerschaftsnachweis, den Meldezettel und die Geburtsurkunde mit. Und Tschechien ist eh EU." OK, der Reisepass ist eh abgelaufen, und damit in Tschechien wertlos. Die EU hilft uns nur insofern weiter, dass uns eine Grenzkontrolle voraussichtlich erspart bleibt. Ein gültiger Reisepass ist dort jedenfalls erforderlich. Aber was solls, riskieren wirs. Mein mit Rostschutzfarbe bunt geflecktes, 20 Jahre altes Golf Cabrio ist eh ein unauffälliges Fahrzeug. Oder?
Wir fahren los. Das Wetter meints gut mit uns. Die Straßen sind trocken, und es geht gut voran. Bald sind wir an der Grenze. Von irgendwelchen Ordnungshütern ist nichts zu sehen, sehr fein. Gery und ein Illegaler in Tschechien! Ab zur Tankstelle, Sprit fürs Auto, Sandwiches und Red Bull für Gery und Rowby. Eine Vignette für die Windschutzscheibe, und weiter gehts.
"Hast du Finishes gelernt?" "Ja!" Ok, testen wir mal. Wir haben noch 157km bis Prag, wie checkt man 157, 143, 110, 95, 62, 29? Und schon fahren wir in die Hauptstadt ein. "Hast du den Routenplaner zum Hotel ausgedruckt?" " Nein, Tintenpatrone war leer."
Ok, die Adresse haben wir ja, ein Foto vom Hotel auch, und 10 Minuten zu Fuß vom Castle wird sich ein so großes Hotel ja finden lassen. Immer nach der Belohorska schauen. Die erste Runde ist gedreht, dann die zweite, von einem pyramidenförmigen Hotel ist nix zu sehen. Gut, fahren wir mal zum Schloss, und ziehen von dort aus unsere Kreise. Die Stadtrundfahrt haben wir dann also gleich am Beginn erledigt. Hier ist das Schloss, das ist der Karlsberg, mal links herum - "Ups, das ist aber hübsch, eine Pyramide aus Beton und Glas. Unser Hotel!"
Also, besonders groß ist Prag ja nicht. Ein bissl im Kreis gefahren, und schon steht das Hotel mitten im Weg. Wen hätten wir auch nach dem Weg fragen sollen? Die Polizei? Mit einem Illegalen Einwanderer im Auto? Wohl keine gute Idee. Die Nummer meines Reisepasses kommt dann bei der Anmeldung im Hotel auch zu doppelten Ehren. Das Zimmer ist schnell bezogen, die Minibar aber verschlossen. Das muss sich natürlich ändern. Runter zur Rezeption, rauf ins Zimmer, Schlüssel passt nicht, runter, rauf, Prost. Nix Prost, alles warm. Es sollte aber das einzige Manko des Zimmers und des Hotels bleiben.
Also ab zum Sport. Rein ins Dress und ab nach unten. Der Spielsaal ist großzügig und hell. Die vom Springcup alten Bekannten des tschechischen Verbandes sind schon da, man begrüßt sich herzlich, und die Registration geht zügig voran. Es bleiben uns noch einige Stunden um uns zu aklimatisieren und einzuspielen.
Am Freitag findet der Jugendbewerb und das Warm Up statt. Für Rowby-John also schon das Highlight. Ein anderes Highlight sind aber die bekannten Gesichter. Starcaller Russ Bray und Dartslegende Eric Bristow sind bereits da, und genießen die raucherfreundliche Atmosphäre in der Hotelbar. Etwas, was es in England ja nicht mehr gibt.
Die Auslosung meinte es nicht besonders gut mit Rowby. Der starke Holländer Daniel van Mourik und Jugendeuropameister Tuomas Tikka aus Finnland sind auf seinem Ast, während sich auf der anderen Seite kaum ein bekannter Name findet. Ein Erstrundenspiel bleibt ihm aber wenigstens erspart - Freilos.
Im 1/8-Finale spielt Rowby gegen den heimischen Petr Bulan, ein alter, oder viel mehr junger Bekannter vom Sankt Pöltner Turnier im Frühjahr, welches Rowby ja für sich entscheiden konnte.
Das Spiel nimmt schon bei den Practicedarts einen einseitigen Verlauf, Rowby wirf 2x 140, Petr schaut bewundernd zu und blickt hilfesuchend zu seinem Papa, der liebenswerter Weise die Partie schreibt. Hilfe gab’s für Petr keine, Rowby zeigte gute Tagesform und gewann souverän mit 3:0. Einzug ins 1/4-Finale.
In der Runde der besten 8 bekommt es Rowby nun mit Daniel van Mourik zu tun. Der Holländer scort phantastisch und checkt souverän, gleich steht es 2:0. Rowby eindeutig zu nervös bei seinem ersten internationalem Auftritt. Im dritten Leg kämpft Rowby zurück, zeigt Daniel erstmals etwas Respekt. Das Finish will aber nicht gelingen, und Daniel kann vollenden. Schade, aber es gibt schlimmeres als einen fünften Platz, und eine Niederlage im Boardfinale. Die Halbfinali sind dann für Samstag angesetzt.
Das Warm Up hat uns dann ziemlich kalt gelassen. Ich durfte dem Finnen Hattinen zu einer Weltklasseleistung gratulieren, welche erst im Boardfinale gegen den Mitfavoriten Ratajski einen Einbruch erlebte. Mit 3 Lowdartslegs und 2 180ern schickte er mich zum schreiben.
Rowby erging es gegen den starken Holländer Poortvliet nicht besser, auch der erwies sich als unbezwingbar. Und auch er unterlag erst im Boardfinale gegen den Ex-Weltmeister und Topfavoriten Steve West.
Jetzt könnte man den Abend ja gemütlich bei einem Bierchen ausklingen lassen und sich ausschlafen. Aber nicht, wenn man mit jugendlicher Energie ausgestattet unterwegs ist. Wer braucht schon ein Warm up? Rowby schnappt sich den Finnen Tuomas Tikka und einen weiteren Jugendspieler, und los gehts. Tuomas und Rowby sind gleich alt, aber der Unterschied könnte größer nicht sein, Tuomas ist gefühlt doppelt so groß und 3x so schwer wie Rowby. Aber Darts spielen beide annähernd gleich stark und mit gleicher Begeisterung. Das mussten auch die beiden jungen Finnen bald anerkennen. Nach etwas überheblichem Beginn mussten sich die beiden Nordländer gehörig anstrengen um gegen Rowby überhaupt noch manchmal reüssieren zu können. Hier zuzusehen war teilweise interessanter als bei den tollen Finalspielen des Warm up - Turnieres.
In zwei 1/4-Finalspielen gab es Favoritensiege durch Gino Vos und Krzystof Ratajski. In den anderen 2 Spielen gab es dann aber Überraschungen. Der Topfavorit Steve West unterlag dem Holländer Wattimena, der schon bei der Winmau aufzeigen konnte, mit 2:3. Der schwedische Star Markus Korhonen unterlag seinem Landsmann Hogwall gar mit 0:3. Im Halbfinale setzten sich dann die Favoriten Ratajski und Vos aber jeweils knapp durch. Trotzdem mußten beide Matchdarts gegen sich zulassen. Das Finale war ein echtes Highlight an diesem Abend. Kein Leg dauerte länger als 18 Darts. Gino Vos, der Sieger des Einzels im Vorjahr, zeigte, dass er sich in der goldenen Stadt wohlfühlt, und gewann das Finale mit 4:2.
Hinterher gab’s noch ein Mixed Doppel - Turnier. Auch hier gab’s einige interessante Begegnungen mit durchaus bekannten Gesichtern. Und es zeigte sich, dass solche Turniere oft von den stärkeren Damen im Paar entschieden werden. Die britische Dartslegende Deta Hedman konnte sich mit ihrem Partner Thompson gegen die schwedische Altmeisterin Carina Ekberg und ihrem Partner Taylor im Finale mit 4:1 durchsetzen. Auch hier gab’s wahrlich tolle Darts zu sehen.
Gegessen wurde in der Hotelbar, damit man sich nicht zu weit von den Dartboards entfernen muss. Danach ging’s weiter mit Training, einen Rowby muss man mit Gewalt von den Darts trennen, wie es scheint. Irgendwann gings dann doch zum schlafen, fragt nur nicht nach der Uhrzeit.
Guten Morgen! Heute also die Einzelbewerbe. Körperpflege, adjustieren, frühstücken, registrieren, einspielen. Dem geneigten Dartsspieler sind diese Abläufe an Turnierwochenenden ja durchaus bekannt. Gibts was schöneres?
Bei der ersten Zigarette in der Hotelbar trifft man dann endlich auch bekannte Gesichter aus der Heimat. Zocki Lerchbacher und Toni Pein sind mit Jürgen und Liane Neubauer erst am Samstag angereist.
Die Auslosung wird begutachtet, keiner hat einen der Stars in der Auftaktrunde erwischt. Und wenn man mal in einem Turnier drinnen ist, dann kann’s ja eine Eigendynamik entwickeln. Schaun wir mal.
Jürgen Neubauer beginnt gegen den Schweden Asthammer. In einer langen, sehr knappen Partie verliert er mit 3:4.
Toni Pein schlägt den starken Tschechen Petr Svoboda gleich mal mit 4:0, guter Auftakt. Zocki Lerchbacher hat’s mit dem jungen Tschechen Ludek Kristin zu tun. Er gewinnt das erste Leg locker, danach reisst sein Spiel aber ab, er trifft die Doppelfelder nicht mehr. In einem doch entäuschenden Spiel verliert er 2:4. Der junge Ludek hatte dann auch gegen den Boardsieger van der Horst keine Chance.
Liane Neubauer bekommt es mit der Schwedin Carina Ekberg zu tun. Die schwedische Profispielerin ist aber um eine Nummer zu groß und gewinnt mit 4:0.
Das Los ergab, dass Rowby und ich auf 2 Boards nebeneinander spielen. Also müssen wir nur beide unser Board gewinnen, dann spielen wir gegeneinander. Ist auch eine Motivation.
Rowbys Gegner, ein Tscheche, taucht gleich mal gar nicht auf, damit ist er eine Runde weiter. Mein Gegner ist natürlich da. Der hatte es ja auch nicht so weit. Es war Odd Roger Sivertsen aus Norwegen. Bei den Practicedarts läufts ganz gut, allerdings wirft auch mein Widerpart noch schnell eine 140. Los gehts, ich beginne mit 60 und 100, mein Gegner mit 26 und 7. Das beruhigt die Nerven, allerdings nur meine. Das Spiel will zwar nicht rund laufen, aber mein Gegner kann die Doppelchancen, die ich ihm unnötigerweise überlasse, nicht nützen, und so gewinne ich alle 4 Legs und das Spiel ohne großen Kampf. Ein schöner Erfolg für mich.
Toni spielt in Runde 2 gegen den tschechischen Spitzenspieler Jiri Jenicek. Jiri ist in guter Form und gewinnt das Spiel locker, und entscheidet hinterher auch das Boardfinale für sich.
Unsere Favoriten also draußen, bleiben noch Rowby und ich. Nun spielen wir wirklich nebeneinander. Rowby beginnt früher. Sein Gegner ist der Grieche George Portokalis. Der Grieche spielt sehr gut, ist aber sichtbar überrascht von der vehementen Gegenwehr des "Kleinen". Rowby kommt immer besser ins Spiel, der Grieche wird immer nervöser, und schließlich setzt Rowby-John den Matchdart. 4:2 und schon ist er im Boardfinale.
Ich beginne derweil mein Spiel gegen den Slowaken Lubos Pivark. Dieser stellt sich als immens starkes Kaliber heraus. Trotzdem kämpfe ich mich in die Partie und kann im Score mithalten. Leider kommen die Doppeldarts nicht, und so gewinnt Lubos sehr souverän und entscheidet später auch noch das Boardfinale für sich.
Rowby-John also mit 15 Jahren als einziger Österreicher im Boardfinale. Sein Gegner könnte schwerer nicht sein. Krzystof Ratajski aus Polen, Finalist im Warm up, und durch einige internationale Erfolge bekannt. Wissend um die Stärke seines Gegners legt Rowby jegliche Nervosität ab, und scort einen 100er nach dem anderen. Allein, Krzystof hat die Klasse keinen Gegner zu unterschätzen, er spielt auf seinem höchsten Niveau und führt schnell mit 3:0. Im vierten Leg hat Rowby die Chance auf einen 15-Darter, verfehlt das Doppel aber knapp. Krzystof verwertet eiskalt, dieser Mann war einfach zu stark. Rowby als 33. trotzdem bester Österreicher im Bewerb.
Nun betätigt sich Rowby als Autogrammjäger, und er ist da nicht weniger erfolgreich. Innerhalb kürzester Zeit hat er alle Stars beisammen, und viele Fotos geschossen.
Zu bewundern gabs auch einige Stars bei ihren Spielen. Steve West, der Topfavorit, musste erkennen, dass es jedem Spieler eine besondere Freude ist gegen ihn anzutreten. Durch die Bank spielten seine Gegner ihren besten Level gegen ihn. Im Boardsemifinale traf er auf Daniel van Mourik. Richtig - der Gegner Rowbys im Jugendturnier. Daniel führte bereits 3:1, dann spielte Steve 2x 15 Darts. Daniel trifft das Bull besser, trifft 2x 140 und kommt zu 8, in Worten: ACHT, Matchdarts. Aber hier spielen ihm die Nerven einen Streich, keiner dieser Darts landet in der Nähe des geforderten Doppelfeldes, und Steve kann den Kopf nochmals aus der Schlinge ziehen. Im Boardfinale machte Radek Schulz dann aber kurzen Prozeß. Mit einer absoluten Weltklasseleistung fegt er Steve West mit 4:0 vom Board.
Starcaller Russ Bray zeigte, dass er etwas von seinem Lieblingssport versteht. Und auch, dass er es am liebsten spannend hat. Nach einem 4:3 Auftaktsieg gegen den Holländer Schoenmaker verliert er gegen den Slowaken Marek Polak mit 3:4.
Großmeister Eric Bristow spielt natürlich nicht mehr auf dem Level von früher, aber er ist auch der lebende Beweis, dass man schwimmen oder radfahren nicht verlernt. Seinen Landsmann Hadfield besiegte er mit 4:0. Gegen den Deutschen Ehlers vergab er im fünften Leg 11 Matchdarts, bis dieser 82 mit Doppelbull und Doppel 16 checkte. Fast beleidigt wirkte Eric danach, pfefferte 15 Darts mit einem 155er Finish aufs Match hinterher. Gegen Verkooijen aus Holland war dann aber im Boardfinale Schluß. 1:4.
Im weiteren Turnierverlauf verblühten die Stars wie die Blumen im Herbst. Peter Evison, Gino Vos, Bob Taylor, Markus Korhonen, um nur einige zu nennen. So zogen mit Oskar Lukaisiak (SWE) und Clive Barden (ENG) zwei Spieler überraschend ins Halbfinale ein. Mit Ross Smith (ENG) und Krzystof Ratajski (POL) gabs aber noch 2 Favorits im Bewerb.
Im Damenturnier setzten sich die Favoritinnen aber durch. Mit Irina Armstrong (RUS), Carina Ekberg (SWE), Deta Hedman (ENG) und Karen Krabben (NDL) zogen durchwegs die favorisierten Spielerinnen in die Semifinals ein.
Im Jugendbewerb gabs das vorweggenommene Finale schon in der Vorschlussrunde. Tuomas Tikka traf auf Daniel van Mourik mit Rowby als Schreiber. Es war ein hochklassiges Spiel, aber das Doppeltrauma von Daniel übertrug sich vom Herreneinzel auch aufs Jugendturnier. So konnte Tuomas reüssieren und mit 3:1 ins Finale einziehen. Im nervös geführten zweiten Spiel setzte sich der heimische Pavel Korda gegen den Finnen Juuso Raiitila auch mit 3:1 durch.
Bei den Finalspielen gabs dann die große Show. Die Spiele wurden live im tschechischen TV übertragen, Russ Bray callte alle Spiele. Unter den Zuschauern brandete jedesmal großer Jubel auf, wenn er sein unvergleichliches "onehundretandeightyyyyy" ins Mikro spie, und dafür gabs einige Gelegenheiten.
Im Jugendfinale fand der favorisierte Tuomas Tikka zunächst gar nicht ins Spiel. Die Bühne, die Kameras, die Zuschauer und, wie sich später herausstellte auch ein kleiner grippaler Infekt, hemmten ihn merklich. Pavel führte locker mit 2:0, vergibt einen Dart aufs 3:0, und er vergibt nach 100, 85, 140, 81, 11 Darts aufs 3:1. Dieses 2:2 zerbrach Pavel (Schnitt 20,44) dann völlig, und Tuomas (20,85) entschied das Finale mit 4:2 für sich. Schade für Rowby-John, wäre er am anderen Ast gewesen, es wäre viel möglich gewesen. Aber es war sein erster internatinaler Auftritt, wenn er es öfters probiert, dann wirds das Los auch mit ihm mal gut meinen.
Bei den Damen setzten sich Irina Armstrong gegen Carina Ekberg und Deta Hedman gegen Karen Krabben jeweils mit 4:2 durch, und zogen ins Finale ein. Im Finale boten die beiden dann guten Sport, es gab auch einen 15- und einen 16- Darter zu bewundern. Die Russin Irina Armstrong (23,53) setzte sich schließlich gegen die Engländerin Deta Hedman (23,38) mit 5:2 durch.
Absolute Weltklasse gabs dann im Herrenhalbfinale zu bewundern. 30x 100 oder mehr scorten Clive Barden (27,28) und Oskar Lukasiak (27,85) in nur 7 Legs. Clive setzte sich schließlich mit 5:2 durch. Noch besser das zweite Halbfinale. Ein 139er Finish, und kein einziges Leg länger als 18 Darts. Krzystof Ratajski (29,09) ließ Ross Smith (26,36) keine Luft und gewann mit 5:1.
Das Finale war dann, wie fast üblich, nicht ganz so hochklassig. Clive konnte Krzystof aber auch nie gefährden. Der Pole (25,60) fegte den Engländer (25,09) mit 6:1 vom Board. Krzystof Ratajski ist der Champion des Czech Open 2009 (und er verhinderte also den Triumph unseres Rowby-John).
Was macht man nach dem Turnier? Prag besichtigen? Falsch! Richtig - trainieren! So spielten Rowby und ich noch viele Darts, bis man uns endlich aus dem Saal warf. Einem gepflegten 3-Gängemenü im feinen Hotelrestaurant stand nun nichts mehr im Wege. Danach noch ein Bierchen und ein Verdauungswhiskey und ab ins Bett. Für mich halt. Rowby verbrachte den späten Abend noch mit seinen neuen finnischen Freunden, und seine Ankunft im Zimmer erlebte ich nicht mehr im wachen Zustand. Gott, bin ich alt geworden.
Sonntag. Guten Morgen. Heute also Doppel und Heimreise. Also los gehts wieder mit dem morgendlichen Ritual, und schon bald stehen wir am Board zum einspielen. Es ist unsagbar bequem im Veranstaltungshotel zu wohnen. Das war jeden Cent wert.
Mal sehen, Freilos in Runde 1, ein deutsches Doppel in Runde 2. Da muss man zwangsläufig auf Sieg spielen. Unsere Gegner erwiesen sich als 2 nette Berliner. Der eine erzählte mir noch, dass er trotzdem Bayernfan wäre, das war das letzte Stück Motivation für mich. Rowby und ich ließen den beiden keine Chance, wir gewannen 4:0. Vor dem Spiel gabs noch ein mitleidiges lächeln - "Das ist dein Doppelpartner? Finde ich toll von dir!" Hinterher -"Wow, der Junge haut rein. Gratuliere, da haben wir keine Chance." Rowby hats ihnen ganz schön besorgt - grins.
Im Boardfinale gingen wir dank eines Highfinishes von Rowby mit 1:0 in Führung. Danach trafen die beiden Tschechen Drtill und Hoffmann aber so ziemlich alles. Trotz vehementer Gegenwehr verloren wir mit 1:4 und wurden letztendlich 17. Ein schöner Erfolg, wie ich meine.
Toni und Zocki hatten da noch was gut zu machen. Und sie machten es gut, und wie. Losglück sieht nämlich anders aus. In Runde 1 ein englisch/finnisches Doppel, Roberts/Hattinen - 4:0. In Runde 2 van Hoof/Jansma aus Holland - 4:0. Im 1/8-Finale Persson/Andersson aus Schweden - 4:0. Hinterher meinte einer der beiden schwedischen Nationalspieler: "Jetzt haben 2 Schweden mal von 2 Österreichern so richtig den Arsch versohlt bekommen."
Im 1/4-Finale warteten dann Evison/Shepherd. Toni und Zocki spielten weiter großartig. Allerdings zeigte Evison warum er mal Weltmeister war. Im entscheidenden Moment setzte er die Big Points, checkte mit 153 zum Break, als unsere Jungs schon längst am Doppel waren, checkte noch 120 als unser Team am Doppel stand, und warf die 180 im letzten Leg, in dem Toni bei 105 Rest trotzdem noch eine Chance aufs Doppel hatte. Das Ergebnis lautete 4:1 für die Engländer, aber das Spiel war wesentlich enger, und hätte ganz leicht umgekehrt ausgehen können. Platz 5 für Toni und Zocki - Bravo.
Nach den bitteren Niederlagen im Einzel hielten sich die Engländer im Doppel schadlos. 1. Marsh/Barden, 2. Simm/Thompson, 3. Evison/Shepherd und das einzige nichtenglische Doppel Ondo/Kyndl (TCH).
Nun auschecken (aus dem Hotel, nicht am Board) und bezahlen. Ein leckeres Mittagessen in der Pizzeria gegenüber, in der alle Österreicher nochmal zusammentreffen, und ab ins Auto. Stadtrundfahrt die zweite. Überall ist Brno angeschrieben, plötzlich nicht mehr. Und schon fahr ich wieder durch ganz Prag. Es beginnt zu regnen, und die Heimfahrt wird mühsam. Kronen habe ich alle ausgegeben, schließlich fahre ich mit dem letzten Tropfen Benzin über die Grenze. Wäre ja zu witzig gewesen. Gery und ein illegaler Einwanderer bleiben ohne Sprit und ohne Kronen auf der Autobahn liegen.
Die Pause an der Grenze tut gut, und wir kommen um acht Uhr abends gesund heim. Ein schönes Wochenende ist zu Ende. Eine wahre Freude ist es zu sehen, wie ein jugendlicher Newcomer mit Begeisterung die Atmosphäre eines internationalen Turnieres genießt, Autogramme sammelt, Freundschaften schließt, und seine Darts einfach nicht loslassen kann. Dieses Wochenende wird/muss eine Fortsetzung finden. Es macht viel zu viel Spaß, um darauf zu verzichten.
Von der Stadt Prag haben wir ja nicht so viel gesehen. Dennoch: Prag, eine Reise wert!
Liebe Grüße,
Gery

 
 

DAS WINMAU WORLD MASTERS 2009

Gedanken, Gefühle, Freud und Leid eines Darters, der überraschend zum Winmau World Masters fahren durfte.
Nun wurde ich zum dritten mal für das World Masters nominiert. Für einen Spieler dessen realistische Selbsteinschätzung "erfahrener Durchschnittsspieler" lautet, keine schlechte Ausbeute.
Der erste Schock: die Auslosung. wie schon bei den ersten beiden Gelegenheiten erhielt ich auch diesmal 2 Stars als Gegner zugelost. Zugegeben, es gibt kaum Spieler dort, gegen die ich eine realistische papierformgemäße Chance hätte, und es gibt auch kaum etwas dankbareres, als gegen einen Star auszuscheiden. Trotzdem, ein Gegner, der einem etwas Luft lässt, der einem ein Mitspielen ermöglicht, wäre schon mal was Nettes. Aber was solls, solche Gegner habe ich daheim ja reihenweise, und oft spiele ich gegen genau diese Gegner am schwächsten.
Der zweite Schock: Sky Europe verabschiedet sich in den Konkurs. Kein Flieger der Billigfluglinie hebt mehr vom Boden ab - 2 Tage vor dem Abflug. Nun, dank des Organisationstalents der Verbandspräsidentin, und der Flexibilität des Kassiers und des ÖDV - Vorstands, konnte das Team doch noch Richtung Bridlington abheben. Zwar etwas umständlicher, mühsamer und unpraktischer, aber Gott sei Dank zeitgerecht. Nach der Absage des diesjährigen Springcups (welcher mein erster gewesen wäre) wäre eine Absage der Englandreise ein zweiter herber Schock innerhalb weniger Monate gewesen.
So kamen wir bei strömendem Regen in Bridlington an. Die etwas größere Distanz des Hotels zum Spielort wurde durch umso kleinere Zimmer wett gemacht. Der Hunger wurde bei einem Pizza/Kebab/Hamburger-Schnellservice noch vor dem Schlafengehen besiegt.
Lakeside Wold Professional 2010 International Play-Offs
Am ersten Tag finden traditionell die International Play-Offs für die Lakeside World Professional Championships im Jänner statt. Nach ausgiebigem englischen Frühstück, und entspanntem Spaziergang durch den englischen Regen ging es also in die Halle. Naja, eigentlich ist es ja ein Theater (sogar ein ziemlich hübsches). Positive Überraschung: die Engländer sind tatsächlich draufgekommen, dass man die Boards im Zentrum der Spielhalle nebeneinander aufstellen, und die Tische drumherum platzieren kann. Vielleicht war da ja ein Spion in Österreich, und hat ihnen diese Erkenntnis näher gebracht.
Ein Tisch für unser Team war schnell gefunden, das erste Getränk schnell besorgt. Ab zum Einspielen. Verdammt, ich treffe nichts. Mein Gegner kommt ans Board, seine ersten drei Darts, mal sehen, aha, 180. Ok, ich hab noch über eine Stunde Zeit, ich geh dann mal. Bier austrinken, raus eine rauchen, dann schauen wie es den anderen geht. So, noch eine halbe Stunde, wieder einspielen, Sean McGowan steht noch immer (oder schon wieder?) am Board. Ich schau nicht mehr was er wirft, lieber schau ich der kleinen, netten Japanerin zu, die immer vor mir an die Oche geht. Ok, da kann ich mithalten, und siehe da - ich treffe. 100 - 140 - 95 - 180 - autsch, das ist zu früh, ich treff doch die 180 immer nur in größeren Intervallen. Egal, 170 ist angesagt, schließlich sind Finishes ja wichtiger als 180er. 6 Darts, 8 Darts, 6 Darts, 9 Darts, 7 Darts, das geht richtig gut. Und da geh ich schon wieder weg vom Board. Ein Schluck getrunken, und ab zu Board Nummer 14, Franz müsste ja schon spielen. Ja, Franz spielt, er hat 156 Rest, 60 - 60 - D18, yes Fränki. Kurz bei unseren Damen nachgefragt, welche Franz schon seit Beginn beistanden, das war das 1:1. Franz hält seinen Gegner unter Spannung, doch scheinbar spielt der genau dann am besten. 1:3, Satz 1 weg und da werde ich auch schon aufgerufen.
Ab zur Auslosung, Sean muss ziehen, er zieht natürlich die grüne Kugel und hat die Darts. Handshake, ab zum Board. Wieder einwerfen, geht noch immer. Also gut fangen wir an. Sean wirft - 140, mir egal - 81, ihm aber auch egal - 134, mir wurscht - 100, ihm erst recht - 125, mir schon wieder - 20/1/ und ... dreifach 5 - fuck. Sean wirft 20/50 und daneben, also, noch mal Druck machen - wieder nix - 26. Sean schließt die 32 mit dem ersten Dart. Verdammt. Sean McGowan ist irischer Rekordinternationaler, er hat schon etliche Kaliber geschlagen, er hat schon Mensur aus der Lakeside-Quali geworfen, hat sich selbst schon qualifiziert. Was hatte ich eigentlich erwartet? Ok, ziehen wir uns anständig aus der Affäre, schließlich habe ich bisher ja anständig getroffen, beim Einspielen und den ersten 6 Darts im Match. Ich werfe - 45, er - 36, aha, der nimmt mich nicht mehr ernst, ich 1/5/ 60 puh, klatsch - 140. Was soll’s, ganz locker - 60 OK, nochmals 60 auch OK, 100 sehr OK, 81 brav. Mal schauen, wo steht der gute Sean nun? Aha, 87, hat der einmal ausgesetzt? OK, ich hab 89, gehn wir’s an, 16 uiiijeh, ned denken - werfen, 57, geht ja, 16 Rest - 2mm daneben. Chance dahin!? Nein, der wirft 27. OK, Chance da, Single 8 - Doppel 4 - YES! Franz sitzt auch schon da, und freut sich über meinen Leggewinn. Das Spiel dürfte er also kaum umgedreht haben, denk ich mir (was sich leider als richtig herausstellt). Er wirft - 60, ich - 100, er 100, ich 60, er 9!!! Jetzt schlägts 13, der trifft nix. Da war sie, die Chance. das Spiel, welches ich mir erhofft hatte. Das Spiel in dem ich mithalten kann, wo meine Spielstärke ausreicht. Nach 21 Darts habe ich 63 Rest, er 64 - und er schließt das mit 2 Darts. OK, war sein Anspiel, jetzt bin ich dran. 100 - 81 - 60 - 100, nach 12 Darts auf Finish, mal sehen was er über hat, aha 203 - passt. 45, ned jetzt, OK, er auch nur 45. jetzt komm, Bouncer :-( , 1 :-( , T20 - Gott sei Dank. Er stellt mit 98 auf 60. OK, Konzentration - 14 - passt. Luft holen, Konzentration, naaa - Draht, draufspielen - drüber. Na geh. Zuschauen - 1 - yes, 19 - er hat nur einen Doppeldart geholt, und er trifft. :-( weg ist er, der Satz.
Den zweiten beginne ich. Die Enttäuschung ist nicht aus dem Kopf zu bringen, ich kann mich nur schwer konzentrieren, 41, er wirft 24, na komm - 36, er wirft 97, 100, 100, 100 - auf 80 Rest, ich hab noch 259, jetzt um 64 weniger, er wirft 20, 60 bust. Na dann wollen wir ihn mal nicht zu sehr unter Druck setzen 21 auf 174 Rest. Er wirft 24, was ist mit dem? 85 auf 89 Rest. Sean - 16, 20, 10 - 10 Rest. Aha, checken tut er a nimmer. 19 - 20 - Bull - leider Single, der Draht vom Eye hat gescheppert, bringt aber nix - 25 Rest. Chance wieder vertan, Sean trifft den ersten in die D5. Seinen Anwurf spielt er souverän, 100, 57, 26, 100, 180! - D19 mit dem ersten, da halfen mir auch meine 125 als Antwort auf die 180 nix. Jetzt heißt es kämpfen. 40, 85, 95, 100, 45 - 136 Rest, rüberschauen - da stehen 140 - 60 - 41 - 140, 120 Rest, 44 auf 76 Rest. Geht noch - 26, ned jetzt herst. 60 - jetzt ist es aus - 8, OK jetzt, daneben. Der Bursche ist noch immer nicht sicher. 60, 10 und ...... drüber. :-( Aber jetzt ist es aus - 4, ok jetzt, daneben, nanu? - daneben. Drei Chancen. Na ned - Draht Single 20, daneben, Draht daneben. :-( Mal sehen, so ein Leg dauert ja dann manchmal auch länger, wie man weiß. Single 2 ist da, patsch Doppel 1. Aus is. Hand geben, umarmen, very good game, well played, unlucky, all the best… schreiben gemma ...
Der bessere Spieler kristallisiert sich schnell heraus. Die Scores sind schön rund. Ich habe Zeit mich über mein Spiel zu ärgern, über vergebene Chancen nachzudenken, traurig zu sein. Warum verdammt habe ich nicht schon vor dem Spiel an die Chance geglaubt? Aber eigentlich war es ja das erste Leg. Der hat mich tatsächlich im ersten Leg besiegt, und das bei einer Lakeside Distanz, und das obwohl ich auf 1:1 gestellt hatte. Das mit dem "erfahrenen" Spieler kann ich wohl wieder aus meiner persönlichen Selbsteinschätzung streichen - wieder was gelernt. auch wenn einer Sean McGowan heißt, auch wenn er mit drei 120+ Scores startet und 13 Darts spielt, auch dann heißts: zeig du mir das mal über einen ganzen Satz, oder eben über zwei Sätze, erst dann hast du gewonnen - vielleicht. Ups, 3:0, 3:0 aus ist es, so macht schreiben Spaß. Der siegreiche Holländer schaffte es letztendlich bis ins Boardfinale.
So, jetzt kommt der Teil auf den ich mich auch so gefreut habe - Zuschauen. Franz und Erich draußen, Zocki spielt gerade. Er hat auch einen Iren zum Gegner. aber Zoran macht es besser als ich, nutzt seine Chancen und gewinnt den ersten Satz mit 3:1. Plötzlich reißt aber sein Spiel ab. Satz 2 ist futsch. Come on Zocki, das Spiel kann noch lange dauern. Erstes Leg weg, Zweites gewonnen, Drittes weg. Macht nix, Zocki beginnt das Vierte, und wenn er das gewinnt, dann geht der Spaß erst los. Zwei Darts auf Doppel - vorbei. Der Ire nutzt seine Chance eiskalt. Schade, da war mehr drin.
Ab zu den Damen. Ursula leider schon draußen. Aber Claudia hat ihr erstes Spiel gewonnen. Nun tritt sie gegen Rilana Erades an, die Topfavoritin am Board. 18 Rest, Single 14 - Doppel 2 - schnapp, 1:0 für Claudia. Nun ist Rilana aber richtig zornig, 125, 95, 66, 100 und mit 17 Darts auf 1:1. Claudia kämpft weiter, 89 Rest, 19 - 20 - daneben. Rilana checkt zum 2:1. Claudia kämpft weiter, holt sich 4 Doppeldarts und… vergibt. Rilana checkt, und ist sichtlich erleichtert. Sehr schade, bis zum Boardfinale hatte Rilana nicht mehr mit einer solchen Gegenwehr zu kämpfen. dort allerdings verlor sie dann.
Na gut, rüber zum Toni. Anton Pein kennt das Gefühl sich für ein Großereignis zu qualifizieren ja schon, war er doch vor 3 Jahren der erste Österreicher bei der PDC-WM. Sein Gegner kennt das Gefühl aber schon länger, schließlich spielt er gegen die Dartslegende David Whitcombe. Toni spielt aber souverän, nutzt seine Doppeldarts und scort beständig hoch. So leicht kann es gehen, 2:0 - tolle Leistung. Jetzt käme es eigentlich zum Duell mit Robert Wagner, dem norwegischen Steirer. Aber der musste kurzfristig wegen Krankheit absagen. Roberts Gegner aus Gibraltar tauchte auch nicht auf (vielleicht demotivierte ihn ja das Los), so ist Toni schon wieder eine Runde weiter. Nächster Gegner, nächste Legende - Martin Phillips aus Wales. Die beiden spielen ein sehr gleichmäßiges und ähnliches Spiel, 100er in Serie. Martin kann aber die verfehlten Doppeldarts von Toni im zweiten Leg zum Break nutzen, vergibt selbst nichts am Doppel, und gewinnt so den Satz mit 3:0. Im zweiten Satz gehts besser, Toni nutzt nun wieder seine Doppeldarts - 1:0, 1:1, 2:1, 2:2. nun verfehlt Toni einmal das Doppel, Matchdart auf Bull für Martin - daneben, Toni trifft 1:1. Entscheidungssatz, Martin mit 13 Darts, Toni mit 15 Darts, Martin mit 15 Darts. 100 hier, 100 da, 100 hin und her. Plötzlich 180 von Martin. Der routinierte Waliser spielt die 180 gerade im rechten Moment, und macht mit 13 Darts das entscheidende Break. Wow, was für ein Spiel - schade für Toni.
Nach weiteren tollen Spielen wurde es langsam Abend, und der Spieltag wurde beendet. Die Teilnehmer für Lakeside waren gefunden. Es würde den Rahmen sprengen hier alle tollen Partien zu kommentieren. Jedenfalls setzte sich Martin Phillips in weiteren tollen Spielen durch. Im Boardfinale musste er noch ein 6:4 im dritten Satz erkämpfen, im letzten Spiel gewann er dann aber souverän mit 2:0. Nun gings zu einem gemütlichen Abendessen ins Rags, danach bereitete ich mich mit Zocki und Toni am Hoteldartsboard "professionell" auf den nächsten Wettkampftag vor.
Das Winmau World Masters
Der Wecker singt. Ok, aufstehen, duschen, Haare putzen, Zähne waschen, anziehen, frühstücken, wandern, einspielen - geht richtig gut. Aufruf, Losung, Peter Evison zieht - grün. Verdammter Stress, 10:00 Uhr ist wirklich eine unmenschliche Spielzeit. Natürlich, wieder die Darts gegen mich. Peter Evison, der World Master von 1989. Mal sehen, was der noch drauf hat. Kein Schreiber da. Ich werfe mich weiter warm, 100, 140, 137, 97, 93, D20, D16, Bullseye. Verdammt, lass uns endlich anfangen. Endlich, ein Schreiber.
Ich treff plötzlich nicht mehr ins Tripple, brauche 6 Aufnahmen für den ersten 60er. Macht nix, ist ja sein Leg. Peter trifft zwar 3x 100, kann das Leg aber auch erst mit dem 23. Dart beenden, das gibt Hoffnung. Im zweiten Leg geht’s dann aber los, Peter beginnt mit 100 - 140 - 140 und breakt mich mit 16 Darts. Den zweiten Satz beginnt er mit 180 - 180. Der siebente Dart geht in die Triple 5, erst der achte wieder in die Triple 20. Der elfte aufs Doppel geht noch daneben, aber mit 13 Darts geht auch dieses Leg an Peter. Und ich? Ja, ich schau ihm dabei zu, werfe dazwischen meine 60, unterbrochen von gelegentlichen 100 oder 81, und muss mich meinem Schicksal ergeben. Wenn du gegen den nicht in das Tripple findest, dann ist das Spiel schneller vorbei als du schauen kannst. Immer wieder ist der erste Dart am Draht, ich komm und komm nicht ins Spiel. kein einziger Doppeldart ist mir vergönnt, das Spiel ist in 15 Minuten mit dreimal 0:2 erledigt. Eine leichte Übung für den Ex-Weltmeister. Übrigens, er bleibt ein Ex-Weltmeister, da er gegen den starken schotten Henderson zwar gewann, dann aber gegen den jungen Holländer Wattimena, der mein Board gewann, knapp verlor. Die Schreiberei war diesmal auch wieder recht nett. Kein Leg dauerte länger als 17 Darts und der Schotte Henderson gab nur ein Leg ab.
Also wieder zuschauen. Der Tisch ist optimal gewählt. Ich kann mein Board, jenes von Franz, jenes von Erich und jenes von Magnus Caris und Bobby George einsehen. Zunächst geht’s aber zu Toni. Der muss gegen den Iren McCloskey antreten, welcher sich am Vorabend äußerst beeindruckend und souverän für die Lakeside qualifizierte. Genauso souverän begann er auch dieses Spiel, und gewann schnell den ersten Satz. Nach einem kleinen Tipp von Zocki, das Spieltempo betreffend, kam Toni aber ins Spiel. Nur knapp verlor er den zweiten Satz, ließ dem Iren im dritten Satz aber keine Chance. Im vierten Satz hatte sich Martin aber auf das Tempo eingestellt, und zeigte erneut seine Klasse. 3:1, gute Leistung von Toni, aber der Gegner war einfach zu stark. Bernhard im Jugendbewerb, und unsere Damen sind in der Zwischenzeit leider auch im ersten Spiel gescheitert. Zoran ist dran. Wie gestern beginnt Zoran stark und geht in Führung, wie gestern schlägt der Gegner (de Rosa aus England) zurück. Aber gar nicht wie gestern bleibt Zocki heiß, trifft weiterhin stark und gewinnt mit 3:2 Sätzen. Franz und Erich haben keine Gegner und sind kampflos weiter. Immerhin, drei österreichische Spieler sind in Runde zwei. Auf Zorans Board geht’s schnell. Nun ist er gegen den Holländer van der Horst dran. Und der ist leider eine Nummer zu groß für unseren Meister. Zocki nutzt seine wenigen Doppeldarts nicht, und scheidet aus. Der Holländer hat später gegen den Favoriten Gary Robson unzählige Darts aufs 2:2 und scheidet unglücklich im Boardfinale aus. Ein 37 Darts - Leg inklusive.
Nun wird’s lustig, links spielt Walton gegen Tony West, daneben Evison gegen Henderson, vor mir Bobby George gegen Caris, rechts daneben Fanz gegen den Franzosen Blot (der beim Austrian Open in Wien im Finale stand), und rechts davon Erich gegen den Japaner Chino. Alles in meinem Blickfeld, was für ein toller Platz.
Erich führt schnell mit 1:0, und dominiert auch Satz 2, klare Sache. Franz 0:1 hinten, der Franzose klar stärker, auch klare Sache. Erich vergibt Doppeldart um Doppeldart, Satzausgleich - unnötig. Franz findet nicht ins Spiel, 0:2. Der Japaner trifft plötzlich wie eine Maschine, kein Score mehr unter 100. 3:1 für Chino, das haben sich Erich und wir etwas anders vorgestellt. Franz findet nicht ins Spiel, der Franzose aber heraus. Eindeutig genervt vom trägen Spieltempo werden die Scores von Blot immer niedriger. trotzdem - Matchdarts. Daneben. Jetzt ist Franz im Spiel - 1:2. Plötzlich ist der Killerinstinkt von Franz erwacht, er spielt wie man ihn kennt, trifft immer mehr, checkt souverän und lässt dem Franzosen keine Chance mehr. 3:2 für Fränki, nach über einer Stunde Spieldauer. Ja, oft kommts anders, als man denkt.
Nun tritt Franz gegen Bunting an. Stephen war im Vorjahr mein Gegner, und ließ mir kein Leg. Das könnte Franz jetzt ja rächen. Könnte. Der (sehr sympathische) englische Jungstar hat sich so dran gewöhnt, gegen Österreicher kein Leg zu verlieren, dass er auch unserem Franz mit einem Whitewash zum Schreiben schickte.
Nun feuerten wir Stephen an. Erfolgreich. in einem sehr schweren und absolut hochklassigen Boardfinale besiegte er den arrogant auftretenden Schweden Nilsson im Entscheidungsleg. Gegen den nächsten Schweden, Magnus Caris - ebenfalls eine Dartslegende, erkämpfte er sich im vierten Satz drei Matchdarts auf 36, die er aber vergab. Im fünften Satz setzte sich dann aber Caris mit 2:0 durch. Bitter für den jungen Engländer, aber seine Zeit kommt bestimmt. Daneben gabs die handfeste Sensation. Der zum Publikumsliebling avancierende Philipine Lourence Ilagan setzt sich gegen Craig Baxter mit 3:1 durch, liefert dabei eine tolle Show und viele verrückte Bulldarts. Man darf sich auf die Bühnenspiele an den nächsten beiden Tagen freuen. Der Spieltag ist zu Ende, wieder lassen wir den Abend mit einem gemütlichen Essen im Rags ausklingen. Die nächsten beiden Tage waren dann sehr entspannt. Die Bühnenspiele waren toll (weitere Berichte dazu gibts auch auf der Homepage des ÖDV, auf dartn.de und auf der BDO-Website), die Dinnerdanceplayersparty war sehr nett, und das Wetter wurde langsam etwas weniger nass. Beim Pubbesuch nach der Playersparty konnte ich Sean McGowan etwas besser kennen lernen, ein typischer, gemütlicher Ire - CHEERS.
Das Winmau World Masters 2009 - die Finals
Für die meisten Fans des Dartssports zählt die WM der Firma „Professional Darts Corporation“ (PDC) am meisten. Für viele Fans des sportlich organisierten Weltverbands ist die traditionsreiche WM in Lakeside das höchste. Für die Dartsspieler selbst ist aber sicher das World Masters der wertvollste Bewerb überhaupt. Es gibt keinen vergleichbaren Bewerb. Jedes Mitgliedsland darf seinen Meister und die besten vier weiteren Spieler für den Herrenbewerb entsenden. Beim Damenbewerb sind es die Meisterin und eine weitere Spielerin. In den Jugendbewerben darf jeweils die und der beste Jugendliche jedes Mitgliedslandes teilnehmen. Zusätzlich darf jeder Sieger eines WDF-Ranglistenturniers der abgelaufenen Saison teilnehmen. Die besten 32 der Weltrangliste sind automatisch dabei, und für die britischen Dartsspieler gibt es eigene Qualifikationsmodi in ihren Countys. Sprich: hier treffen sich die besten Dartsspieler aus aller Herren Länder, aus der ganzen Welt. Geballte Klasse in unglaublicher Dichte. Allein die Jugendbewerbe und der Damenbewerb zeigen die Unterschiede zum kommerziellen Zirkus der PDC auf. Hier wird Nachwuchsarbeit betrieben, hier kommen die Frauen zu ihrem Recht. Die große Tradition unterstreicht den Wert dieses Events. Seit nunmehr 36 Jahren wird das World Masters ausgetragen, und es erfreut sich ungebrochen großer Beliebtheit.
Jeder Dartsspieler weiß, dass Spiele am Flur ganz andere sind, als solche auf einer Bühne. Deshalb kommt es auch immer wieder zu großen Sensationen in den Furspielen. Sich in einem derart hochklassigen KO-Bewerb am Flur bis zur Bühne durchzukämpfen, verlangt dem Darter alles ab, ist eine große Leistung. Viele Größen mussten das schon leidvoll erfahren. Wie sie auch alle hießen, ob John Lowe, Eric Bristow, Phil Taylor oder Raymond van Barneveld, alle hatten schon leidvolle Erfahrung mit dieser Tatsache machen müssen.
Als (die damalige Nummer 1) Barney mal in der ersten Runde rausflog wollte man den Spitzenspielern etwas entgegenkommen. Man änderte die Distanz von best of 3 Sets / best of 3 Legs per Set auf best of 5 Sets / best of 3 Legs per Set. Trotzdem kam es wieder vor, dass die gesetzten Stars reihenweise vor dem 1/8-Finale rausflogen. Der das Turnier traditionell übertragende Sender BBC protestierte. Die besten 16 des Turniers spielen sich den World Master on Stage aus, erst da steigt der TV-Sender ein. Wenn dann keine Stars, keine bekannten Gesichter mehr zu sehen sind, dann ist das für den Sender unattraktiv.
Der TV-Vertrag geriet in Gefahr. Die BDO und die WDF haben nun eine Lösung gefunden, welche durchaus zwiespältig von den Spielern aufgenommen wurde. Die besten 8 Spieler der Weltrangliste sind automatisch im 1/8-Finale, der Rest der Teilnehmer spielt sich die 8 vakanten Plätze am Flur aus. Natürlich haben sich diese Leute durch ihre Leistungen, ihren Einsatz und ihre Erfolge über ein ganzes Jahr hinweg diese Plätze erkämpft. Trotzdem nimmt dieser neue Modus dem World Masters etwas von seinem Flair und seinem Reiz. Es war doch immer schön diese Stars am Fur schwitzen zu sehen. Diese Regelung gibts übrigens nur bei den Herren. Die Damen und die Jugendlichen sind davon verschont.
Aber auch ohne den Top 8 gibt es natürlich viele Stars, welche sich noch am Flur durchkämpfen müssen. Gescheitert sind heuer: Gary Robson (Board 1); Shaun Greatbatch (der mit dem 9-darter, Board 2); John Walton, Tony West (Board 3); Peter Evison, John Henderson (Board 4); Bobby George (Board 5); Stephen Bunting (Board 6); Martin Atkins, Paul Hogan (Board 7); Paul Hanvidge (Board 8); Martin McCloskey (Board 9); Brian Woods (Board 10); Martin Phillips, Les Wallace, Rick Hofstra (Board 11); Phil Nixon (Board 12); Davy Richardson (Board 13); Frans Harmsen, Edwin Max (Board 15); Sean McGowan, Andy Boulton (Board 16). Eine Liste aus lauter potentiellen Turniersiegern, Ex-Weltmeistern und Favorits.
Durchgesetzt haben sich: Steve Douglas (ENG), Robbie Green (ENG), Dave Prins (ENG), Gino Vos (NL), Magnus Caris (SWE), Connie Ginnan (IRL), Kim Huybrechts (BEL) und Lourence Ilagan (PHI).
Besonders der Philippine Ilagan war eine echte Sensation. Es war ein wahres Vergnügen ihm zuzusehen. Im Verlauf des Turniertages scharten sich immer mehr Zuschauer um sein Board.
Am Samstag standen nun die 1/8- und 1/4-Finalbegegnungen im Herrenturnier auf dem Programm. Die Gesetzten taten sich, wie üblich, zum Teil sehr schwer ins Spiel zu kommen. Mussten sie doch gegen Spieler antreten, welche bereits 2 Tage auf Topniveau erfolgreich agierten, und die mit Selbstvertrauen vollgepumpt sind.
Der Holländer Joey ten Berge (83,91), Nummer 8, kam gegen Steve Douglas (81,03) auch gleich in Schwierigkeiten. Der Engländer startete stark und beendete gleich das erste Leg mit einem 121er-Finish und 15 Darts. Joey kämpfte sich aber bis ins Entscheidungsleg, gewann das Ausbullen und spielte dann 100, 22 (!), 180 (!!!), 134 und 65 Finish souverän das Leg mit 14 Darts nach Hause.
Im zweiten Spiel zeigte Robbie Green dann dem Schotten Ross Montgomery (Nummer 6) die Grenzen auf. Ross spielte 89,00 Schnitt und ging gegen Robbie (93,12) trotzdem mit 1:3 unter. Das Match beendete Green (Nickname: Kong) mit einem sehenswerten 160er - Finish.
Eine klare Sache erwartete man sich im nächsten Spiel. Der Vorjahrsfinalist und Nummer 2 der Weltrangliste Scott Waites (ENG) traf auf den Sensationsmann Ilagan. Ilagan gewann überraschend den durchwachsenen ersten Satz, wobei er aber mit vielen Bulldarts beim Scoren (1x 119 points - Bull-19-Bull auf 112 Rest) viele Sympathien im Publikum gewann. Auch sein lockeres asiatisches Lächeln bei verfehlten Darts kommt gut an. Dann aber legte Scott los. Waites gewann die nächsten beiden Sätze. Im vierten Satz hat er Anspiel und nimmt das erste Leg mit 17 Darts, wobei Ilagan bereits 2 Doppeldarts versiebt hatte. Das folgende Leg nutzte Waites zum Luftholen, viel Zeit blieb ihm dazu aber nicht. Er warf 60, 60, 58 und das wars, 323 Rest. Ilagan spielte beeindruckende 12 Darts mit 124 zum Finish. Nun kam Scotts Anwurf aufs Match. Mit 12 Darts (inklusive 1x174) stellt er sich auf 32 Rest. Lourence hat nach 44, 45, 59 noch 353. Der Philippine wirft nun mit seinen vermeintlich drei letzten Darts im Turnier 180, großer Jubel für den sympathischen jungen Mann. Waites verwirft die drei Matchdarts. Lourence macht mit 99 Druck. Wieder drei Matchdarts, und wieder verwirft Waites. Ilagan checkt die 74 Punkte mit 2 Darts und gewinnt dieses Leg, und nun gabs kein
Halten mehr. Das Publikum hat endgültig die Seiten gewechselt. Weibliche Fans schrieben "My little man - Ilagan" auf ihre Fankappen, und die Stimmung stieg in ungeahnte Höhen. Im Schlusssatz kommt es zum Entscheidungsleg, und Ilagan gewinnt das Ausbullen. Nach 15 Darts hat Ilagan nun 40 Rest. Scott kommt bei 105 Rest dran. Er wirft 57, 16 - 32 Rest. Matchdart, der siebente. Und … einfach 16 - wieder vergeben. Ilagan hat da nicht so Probleme. Der erste Dart landet in der Doppel 20, und der Jubel im Spa-Theater ist unbeschreiblich. Waites (86,07) 2:3 Ilagan (88,77)
Der Ire Connie Finnan (90,96) eliminierte mit dem Engländer Darryl Fitton (83,70) den nächsten gesetzten auf der Bühne. Er gewann das Spiel gegen die Nummer 3 unspektaktulär mit 3:1.
Die Nummer 1 der WDF Silverback Tony O'Shea (90,06), Lakesidefinalist 2009, rettete dann die Ehre der Gesetzten. Er fegte Dave Prins (86,64) mit 3:0 vom Board. Der Außenseiter konnte in jedem Satz nur ein Leg gewinnen.
Steve West (Nummer 7) hatte mit Huybrechts mehr zu kämpfen. Der Engländer beeindruckte aber mit drei hohen Checkouts. Mit 164 holte er sich auch die 3000 Pfund für den höchsten Checkout auf der Bühne. Schließlich gewinnt Steve (92,82) gegen Kim (88,86) mit 3:1.
Zwei alte Haudegen trafen nun aufeinander. Magnus Caris war in Lakeside schon im Halbfinale als "Wolfie" Martin Adams (Nummer 5) sich noch gar nicht qualifizieren konnte, da er mehr mit der Betreuung von Eric Bristow beschäftigt war. Nun aber haben sich die Zeiten geändert. Magnus steht überraschend on Stage, während Wolfie hier versucht, seinen Titel zu verteidigen. Magnus (91,00) kann 2 Sätze lang Paroli bieten, und auch auf 1:1 stellen. Dann setzt sich Adams (91,16) aber durch und lässt dem Schweden kein Leg mehr.
England gegen Holland, das ist das legendäre Duell im Darts. Alt gegen Jung ist auch immer ein Renner. Und David gegen Goliath, Favorit gegen Außenseiter sowieso. Hier trifft der Lakesidetriumphator "The Count" Ted Hankey (Nummer 4) auf den 19-jährigen Gino Vos. Irgendwie dachte man hier vom Start weg, man ist im falschen Film. Der junge Gino führte den regierenden Lakeside-Champion regelrecht vor. Nur den zweiten Satz konnte Hankey (86,76) für sich entscheiden. In den übrigen Sätzen ließ der junge Vos (87,06) dem Engländer kein Leg.
Damit waren die 1/8-Finals Geschichte. 50% der Gesetzten waren am Heimweg.
Im 1/4-Finale trafen gleich wieder zwei Gesetzte aufeinander. Favorit O'Shea traf auf ten Berge. Tony (89,73) spielte ebenso souverän wie am Vormittag und fegte auch Joey (80,94) mit 3:0 vom Board. Der Niederländer fand nie zu seinem Spiel und konnte nur im ersten Satz ein Leg holen.
Nun musste der Titelverteidiger gegen den jungen Vos ran. Dieser konnte auch Wolfie fordern. Letztendlich spielten aber wohl die Nerven nicht mehr mit. Er vergab etliche Doppeldarts. und so kann Adams (92,14) gegen Vos (87,12) einen lockeren 3:1 Sieg feiern und zieht ins Halbfinale ein.
Viel emotionaler gings wieder beim Duell des sensationellen Philippinen Ilagan gegen den Engländer West her. Viele tolle Darts und einige emotionale Gesten später jubelten aber wieder Ilagan und das Publikum. Ilagan (89,37) gewinnt mit 3:2 gegen West (85,47).
Richtig langweilig war dann das letzte Spiel des Tages. "Kong" Green spielte einen lupenreinen Whitewash nach Hause. Er ließ dem Iren Finnan (81,12) kein einziges Leg. Green (89,28) spielte in den sechs Legs gleich drei Checkouts über 100 (116, 120, 140). Nicht spannend aber beeindruckend.
Am Sonntag standen dann die Semifinals und Finals am Programm. Den Beginn machten die Damen. Die ganz großen Überraschungen blieben im Damenturnier aus. Mit der Engländerin Linda Ithurralde konnte sich nur eine Außenseiterin am Flur bis ins Halbfinale durchkämpfen.
Und so kam es, der Setzliste sei Dank, gleich im ersten Spiel des Tages zum ewig jungen Schlagerspiel. Die Nummer 1, "Golden Girl" Trina Gulliver (ENG) traf auf die Grande Dame des Darts, die Ttitelverteidigerin aus Holland Francis Hoenselaar. Francis hatte ja im Vorjahr die anschließend zur PDC gewechselte Anastasia Dobromyslova im Finale klar besiegt. Francis (63,64) konnte aber in diesem Spiel gegen ihre Freundin Trina (72,42) nie an die Vorjahresleistung anknüpfen. Und so kam es, dass Gulliver (Modus best of 7 Legs) das Spiel mit 4:0 gewann, und locker ins Finale einzog.
Das zweite, rein englische, Halbfinale hatte eine klare Favoritin nämlich Dee Bateman. Sie traf auf Linda Ithurralde. Linda begann mit dem Anwurf, und sie konnte das Leg für sich entscheiden. Dee nutzte ihren Anwurf ebenso. Und so ging es hin und her bis zum 3:3. Das Ausbullen gewann Linda. Und in diesem Spiel war das der entscheidende Vorteil. Dee (66,24) traf nur mehr einen Tripple und Linda (68,82) holte sich das Leg in 20 Darts und zog überraschend ins Finale ein. Jetzt hatte das Damenturnier doch noch seine handfeste Überraschung.
Das Finale:
Linda spielte wieder mit dem Anwurf. und wieder ging sie 1:0 in Front. Im zweiten Leg verfehlte Trina das Doppel, Linda nutzte dies, 2:0. Im dritten Leg lagen die Nerven blank, beide Damen konnten nur zweimal das Tripple treffen, Trina verfehlte insgesamt sechsmal das Doppel, und Linda verfehlte das Doppel gar achtmal. mit 31 Darts stellte Linda schließlich auf 3:0. nun war Trina aber sauer. Mit 18 Darts holte sie sich das nächste Leg. 3:1nun hatte Linda Anwurf, und sie schien ihn zu nutzen. Nach 18 Darts hatte sie 76 Rest, und sie traf mit dem ersten Dart die 60. Hier versagten ihr aber die Nerven und sie verfehlte die 2 Matchdarts. Trina nutzte das eiskalt. 3:2 Ds "Golden Girl" war nun wieder voll im Spiel. Sie spielte nun auch wieder ihre gewohnte Klasse aus. Mit 17 Darts stellte sie auf 3:3. Showdown. Ausbullen. Linda trifft nicht, Trina trifft. Trina beginnt -> 140 allen war klar, das muss die Entscheidung sein. Die Spielentwicklung spricht eindeutig für die Favoritin und Linda hatte ja schon im fünften Leg Probleme mit ihren Nerven. Immerhin aber konnte sie mit 100 antworten. Trina trifft 83, Linda wieder 100. Trina mit 55, Linda mit 41. Trina mit 83, Linda mit 121 (!!!). ein Wirkungstreffer. Trina steht auf 140, Linda hat noch 139. Trina, sichtlich beeindruckt, wirft nur 40. Linda macht jetzt Druck, stellt mit 99 auf 40 Rest. Trina muss die 100 checken. Der Druck ist zu groß, sie trifft nur 42. Kann Linda nun ihre Nerven im Zaum halten, kann sie das Spiel für sich entscheiden? Sie kann. Der zweite Dart landet im Ziel. Linda gewinnt. Die Sensation war perfekt.
New World Masters Ladies Champion 2009: Linda Ithurralde (ENG)
Linda (68,10) : Trina (67,83) 4:3
Nun kam es zu den Semis der Herren. Nach den sehr souveränen Leistungen des Favoriten "Silverback" Tony O'Shea und des Titelverteidigers "Wolfie" Martin Adams wartete man mit Hochspannung auf das "vorweggenommene Finale". Der Modus war nun best of 11 Sets, best of 3 Legs per Set.
Wolfie startet wie von der Tarantel gestochen. Mit einem 125er Finish gelingt ihm gleich ein Break, im zweiten Leg holt er mit einem 136er Checkout gleich mal Satz Nummer 1 Heim. 15 Darts und 12 Darts. Im zweiten Satz benötigt er keine hohen Finishes. Mit 14 Darts und 15 Darts lässt er dem Favoriten aber neuerlich keine Chance auf ein Leg. 2:0 nun lässt Wolfie etwas nach. Gefährlich. Der Silverback nutzt so etwas sofort. Mit 2:1 holt er sich Satz Nummer 3. Martin hat verstanden. Satz 4
holt er sich mit 2:0, im fünften Satz dreht er nach einem 0:1 Rückstand auf, spielt einen 11-Darter und gewinnt 2:1. 4:1. Pause. Kann O'Shea gestärkt aus der Pause zurückkommen, kann er die Partie drehen? Nein, kann er nicht. Adams verlässt sich auf seine Anspiele, und spielt das Spiel routiniert nach Hause.
Adams (95,00 !!!) : O'Shea (86,52) 6:2
Nun kamen die beiden ungesetzten, die beiden Spieler vom Flur, jene beiden die bereits drei Tage intensive Dartshöchstleistungen gebracht haben. "Kong" Green gegen "Little Man" Ilagan. Ilagan hat Anspiel, und startet stark. Mit 112 und 106 Finishes gewinnt er seine 2 Anspiele und den ersten Satz mit 2:1. Green ist aber nur sehr überschaubar beeindruckt. Er startet durch, und gewinnt die nächsten 5 Legs in Serie, spielt dabei auch einen 12 Darter, wirft ein 130er Fnish, macht ein Leg Pause und gewinnt auch Satz 4. 3:1 für Green. Die nächsten 9 Legs gehen mit den Darts (also dem Anwurf). Wobei besonders Ilagan mit einem 12 Darter überzeugte. Die Doppeldarts zum Rebreak im sechsten Satz konnte er aber nicht nutzen. 4:3 für Green. Nun konnte Kong aber seine Stärken zeigen. In jedem Leg ein Maximum. Er erzielte in diesem Spiel insgesamt 10 180er (Iilagan 5 Stück) und zwei 177er. Die nächsten 4 Legs holte Robbie Green, da konnte auch die Anfeuerung des Publikums für Lourence nicht helfen.
Green (92,64) : Ilagan (90,54) 6:3
Nun die Jugendfinali (best of 7 Legs). Man sollte ehrlich sein. Das Mädchenfinale läuft meistens enttäuschend ab. Das ist nicht abwertend. Die Mädels müssen nach tollen Fights der großen Stars auf die große Bühne. Meistens kennen sie das Gefühl eines Stageauftritts noch gar nicht. Die BBC-Kameras und weit über 1000 Zuschauer beobachten sie mit Argusaugen. Die Mädels sind da meist einfach überfordert und liefern im Finale Schnitte von weit unter 60, und Doppeltreffer sind Glücksfälle. Natürlich gab es auch schon Ausnahmen, man denke nur an Anastasia Dobromyslova. So sind meine Erwartungen relativ gering, und ich lasse mich ja gerne eines besseren belehren. Und ich wurde belehrt. Zoe Jones (ENG) trifft auf Emily Davidson aus Schottland. Nach eher schwachem Start trifft Emily eine 160 (ups ein 40er dabei) welchen Zoe gleich mit 125 beantworten kann. Emily verfehlt das Doppel, doch Zoe trifft es schnell. Im zweiten Leg gelingt Zoe ein 125er welchen dieses mal Emily mit 140 kontern kann. Zoe erreicht als erste das Doppel, und trifft es wieder gleich. Ich bin angemessen beeindruckt. Fas Spielchen ist sehr unterhaltsam. Im dritten Leg legt Zoe gar eine 180 aufs Parkett, das Publikum tobt, das Mädel bleibt aber cool und trifft wieder schnell ins Doppel. 3:0. Emily gibt aber nicht auf. Die blutjunge Schottin ist sichtlich nervös, die Situation auf der Bühne ist ihr eindeutig unangenehm. Ich mag sie. :-). Nach einer 28 und einer 60 trifft sie endlich ins Tripplefeld. 60 - 60 - Bouncer, bravo. Nun kämpft sie um ihre Chance. Nochmal 60 - 60 - Tripple 1, bravo. Zoe kontert noch mit 140, aber Emily trifft die Doppel 10 und holt das Leg. Standing Ovations. Die stärkere Spielerin ist aber eindeutig Zoe Jones. Das Mädel könnte eine richtige Rampensau werden, ihr könnte die Zukunft im Damendarts gehören. Vom frenetischen Applaus der Zuschauer für die Schottin angestachelt, spielt sie plötzlich mächtig auf. 140 - 60 - 60 - 100 - 45 - Tripple 20, Doppel 18 GAME SHOT AND THE MATCH AND THE CHAMPIONSHIP, WINMAU WORLD MASTER ZOOOOOOOOOEEEEEEEEE JOOOOOOOOOONES !!!!!!!! Ein 17 Darter zum Match. Die Gegnerin auf 354 Rest. Welch Demonstration. Ein wunderbares Finale, kein Leg dauerte länger als 23 Darts. Zoe Jones (69,27) spielte einen deutlich höheren Schnitt im Finale als die Siegerin beim Damenbewerb, und gewinnt gegen Emily Davidson (54,72) mit 4:1.
Nun ein Finale das mit Sicherheit kein Engländer gewinnt, es nahm nämlich keiner daran teil. Der Waliser Jamie Lewis traf auf den Holländer Jeffrey Stigter. Die Burschen befetzten sich mit 140er und 100er Scores, dass es nur so eine Freude war. Bloß die 180 wollte nicht gelingen. Spannend? Hätte es sein können, doch Jeffrey traf nicht ins Doppel und geriet schnell mit 0:3 ins Hintertreffen. Im vierten Leg überwand er sein Manko endlich und holte ein Spiel auf. Im Fünften hatte er wieder die Chance, und vergab wieder. Jamie traf sicher die Doppel 20 zum Matchgewinn. Kein Leg dauerte länger als 21 Darts.
Lewis (81,54) : Stigter (80,73) 4:1
Nun also das Highlight. Das große Finale. Wer wird World Master 2009? Titelverteidiger "Wolfie" Martin Adams oder der Außenseiter vom Flur "Kong" Robbie Green? Der Modus im Finale ist nun best of 13 Sets. Die ersten beiden Sätze holt sich der Außenseiter, der dabei auch einen 12 Darter spielt, welchen er mit 130 ausmachte. Der Favorit schlägt zurück und holt sich die nächsten beiden Sätze. Nun spielt Green auf, er holt 4 Legs in Serie. Mit 4:2 für Green geht es in die Pause. Zurück aus der Pause macht Robbie dort weiter wo er vorher aufgehört hat und gewinnt auch Satz Nummer 7. Der Favorit schaut nun schon etwas alt aus. In Satz 8 behält dann endlich Adams wieder mal die Oberhand. Satz 9 entscheidet wieder Kong für sich, Wolfie unter Druck. 6:3 für Green. Im zehnten Satz steht es dann 1:1. Wolfie spielt 4x 100 und 45 auf 56 Rest. Kong hat 64 übrig. Adams 16 - Single 20 - Single 10. Die große Chance für Green. 16 - 16 uuuuund … daneben. Wirklich knapp. das Ding hat den Draht der Doppel 16 um ein schönes Stück nach Innen gebogen. Aber knapp daneben ist auch vorbei.
Was ein solcher, vergebener Matchdart anrichten kann, das war dann zu sehen. Green bringt das Unglück nicht mehr aus seinem Kopf. Er verspielt nicht nur den 3-Sätzevorsprung, er macht KEIN EINZIGES Leg mehr. Nach 1 1/2 stunden Spielzeit versenkt Adams den Dart zum 14 Darter in der Doppel 19 und verteidigt seinen Titel erfolgreich.
Adams (90,15) : Green (86,07) 7:6
Alter und neuer Winmau World Master: Wooooolfie Maaartin Adams.
Gratulation dem alten Haudegen.
Am letzten Abend spielten wir noch im Windsorpub bis 1/4 1 Darts mit der halben Welt, und um 4 Uhr kam das Taxi Richtung Airport Manchester. Die Müdigkeit bei der Ankunft daheim, nach 12 Stunden Reisezeit ist wohl für jedermann vorstellbar. Wie gut, wenn man noch einen Tag Urlaub angehängt hat. ;-)
So eine Weltmeisterschaft ist ein schönes Erlebnis, jedes mal wieder. Vielleicht darf ich ja wieder mal daran teilnehmen.
Ich hoffe euch mit diesem Bericht unterhalten zu haben.
Liebe Grüße
Gery


 
Trina Gulliver


Winmau World Master, Martin Adams


Stephen Bunting (2008 mein Gegner, 2009 der von Franz Thaler)


Österreichisch - Schwedische Freundschaft wird vertieft.
Nilla Brodin vom schwedischen Team.